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Gucha

Guca! SRB/BG/A/D 2006. R,B: Dusan Milic. K: Petar Popovic. S: Marko Glusac. M: Dejan Pejovic. P: Pallas, Film Deluxe, Aichholzer, Pandora. D: Mira Djurdjevic, Marko Jeremic, Aleksandra Manasijevic, Marko Markovic u.a.
94 Min. Kinowelt 23.8.07

Vom Tuten und Blasen

Von Martin Thomson Im amerikanischen Teenager-Film scheint es ein sehr reduziertes Repertoire an Ideen zu geben; eine dieser einfallslosen Varianten ist die »Romeo und Julia«-Situation, in der sich ein junger Sprößling aus wohlhabender Familie in die Tochter des Erzfeindes seiner Eltern verliebt. Jener Grundkonflikt läßt sich dann meistens einem bestimmten Kontext angleichen, in dem sozialgesellschaftliche, religiöse oder ethnische Konflikte erklärt und durch die Liebesbeziehung zweier Vertreter der entgegengesetzten Seiten aufgehoben werden. Mit der Shakespeare-Vorlage hat das meist nur noch wenig gemein, denn wo Romeo und Julia im mißverständlichen Selbstmord enden, setzten Filmemacher in jüngster Vergangenheit eher auf märchenhafte Simplifizierung und Happy End.

Bei Gucha handelt es sich jedoch nicht um eine weitere, amerikanisierte Version der Liebestragödie, sondern um einen serbischen Film, in dem sich Dusan Milic der bewährten Thematik mit der Ambition annimmt, die kulturellen Differenzen zwischen Zigeunern und Serben miteinander zu versöhnen. Die Trompetenmusik von Romeo dient ihm hierbei einerseits als abstrakter Transmitter der lyrischen Sprache Shakespeares und andererseits als Andeutung einer Waffe, mit der sich die Hauptfigur gegen seine Feinde zur Wehr setzen muß. In der Trompete und ihrer symbolischen Bedeutung für das Musikfestival, auf dem Romeo gegen den feindseligen Vater seiner Geliebten antreten soll, verdichten sich die Gegensätze Kommunikation und Abstand.

Milic gelingt es trotz oder gerade wegen der Zugeständnisse, die er an ein jugendliches Publikum macht, auf Zehenspitzen in die brüchigen Gedanken- und Gefühlsirrungen seiner adoleszenten Protagonisten vorzudringen und den Ballast der seriösen Verkleidung, die er gelegentlich überstreift, souverän zu schultern. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.
© 2012, Schnitt Online

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