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Die große Stille

D 2005. R,B,K,S,M,P: Philip Gröning, Nicolas Humbert. M: Michael Busch.
162 Min. X Verleih ab 10.11.05

Meditieren für Fortgeschrittene

Von Susanne Bohlmann Dieser dokumentarische Film wurde hinter den Mauern des südfranzösischen Klosters des Karthäuserordens gedreht. Regisseur Philip Gröning hatte sechs Monate in diesem Schweigeorden gelebt und das Leben der Mönche dokumentiert.

Selten hat der Titel eines Filmes derart ins Schwarze getroffen. Der Titel und die Tatsache, daß wir vor der Pressevorführung dazu aufgefordert wurden, während des Film gerne zu meditieren, bringt das Thema auf den Punkt. Das große Schweigen 162 Minuten lang. Keine Musik, keine Kommentare und keine Interviews sind der Leitfaden durch die vier Jahreszeiten. Stumme, lange Bilder von sich ständig wiederholenden Ritualen dominieren das nichtvorhandene Geschehen.

Gröning versucht, die Atmosphäre des auf ihre Grundmauern reduzierten und von Beten und Arbeiten erfüllten Daseins der Männer spürbar zu machen, was ihm teilweise auch gelingt. Doch durch stumme Beobachtung dieser langsamen und scheinbar tristen Welt wird der Abstand zum Verständnis einer solchen Lebensart immer größer. Es werden keine Begründungen und keine Motive gegeben, die es verständlich machen würden, warum ein Leben in vollkommener Einsamkeit und Trostlosigkeit Freude bereitet. Obwohl auch versucht wird, die Schönheit des Ortes zu sehen, überwiegt die depressive Schwere langer dunkler Gänge und Räume.

Die Gleichschaltung der Individuen und die bedrückende Leere eines Tages im Leben eines Mönchs lassen wahrscheinlich nur sehr gottgläubige Zuschauer einen Sinn in dieser Entscheidung sehen. Das Innere nach außen sichtbar zu machen, mißlingt in diesem Film und ersetzt nicht die Erfahrung, die sechs Monate Klosterleben mit sich bringen. Auch für ein spezielles Publikum muß eine Meditation nicht länger als 45 Minuten dauern. 1970-01-01 01:00
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