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Disneys Große Pause – Die geheime Mission

Recess – School's Out. USA 2000. R: Chuck Sheetz. B: Jonathan Greenberg. S: Tony Mizgalski. M: Denis M. Hannigan. P: Walt Disney Television Animation.
83 Min. Buena Vista ab 21.6.01
Von Frank Brenner Disneys Zeichentrickfilme sehen nicht mehr zwangsweise wie Disney-Zeichentrickfilme aus. Der Konzern hat in den letzten Jahren sein Kreativteam vergrößert und den Zeichnern auch mehr Freiraum gewährt, ihrem eigenen Stil treu zu bleiben. Der im letzten Jahr in die Kinos gelangte Fantasia 2000 ist hierfür ein gutes Beispiel. Vor allem die Sequenz zu »Rhapsody in Blue«, die sich optisch an den Zeichnungen von Al Hirschfeld orientierte, hat nichts mehr mit dem seit Jahrzehnten gewohnten und bewährten Disney-Stil zu tun.

So kann die Vorspannsequenz von der Großen Pause als programmatisch angesehen werden, wenn die sechs Protagonisten vor dem Symbol des Disney-Märchenschlosses die Erkennungsmelodie von Buena Vista tröten: Da hat frischer Wind Einzug in die alten Gemäuer gehalten! Der Film basiert auf einer seit vier Jahren erfolgreich im Disney-Fernsehkanal ausgestrahlten Serie. Ihre Erfinder Paul Germain und Joe Ansolabehere sind alte Hasen im Bereich Animation. Zu ihren Credits gehören unter anderem die Kultserien Die Simpsons und Rugrats. Der Zeichenstil des Films ist denn auch eine Mischung aus diesen schrägen, modernen Cartoons, den asiatischen Klassikern (an der Großen Pause arbeiteten hauptsächlich koreanische Zeichner) und den Möglichkeiten der Digitaltechnik. Das Ergebnis ist durchaus interessant, da so eine Dreidimensionalität mit eindeutig zweidimensionalen Figuren erzeugt wird.

Kamerabewegungen aus dem Computer weisen deutliche Mängel auf im Vergleich zu Meisterwerken wie Toy Story II. Da diese aber nicht allzu oft eingesetzt werden, fallen sie auch nicht weiter negativ auf. Die Stärke des Films liegt ohnehin in den witzigen Dialogen, von denen aber so manche parodistische Anspielung in der deutschen Version verlorengehen dürfte. Darüber hinaus werden aber auch im Bild zahlreiche Stereotypen aus Spionage- und Actionfilmen zitiert, was den Erwachsenen im Publikum Spaß bereiten wird. Kinder kommen hier sowieso auf ihre Kosten. Wahrscheinlich kann sich jeder von ihnen mit einem der sechs Protagonisten identifizieren, die hier versuchen, das Abschaffen der Sommerferien durch einen frustrierten und mit verrückten Wissenschaftlern kooperierenden Ex-Schuldirektor zu verhindern. Und die Umsetzung dieser kindlich-naiven Geschichte ist den Filmemachern auf witzige und spannende Weise geglückt. Ein Disney-Film, wie man ihn noch vor wenigen Jahren nicht erwartet hätte, von denen es aber auf jeden Fall mehr geben sollte. 1970-01-01 01:00
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