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Große Haie – kleine Fische

Shark Tale. USA 2004. R,B: Bibo Bergeron. R: Victoria Jenson, Rob Letterman. B: Damian Shannon, Michael J. Wilson. S: Nick Fletcher, Peter Lonsdale, John H. Venzon, Mark J. Swift. M: Hans Zimmer. P: DreamWorks Feature Animation.
90 Min. UIP ab 14.10.04

Lustig ist er

Von Matthias Grimm Nun ist es also amtlich: Die Zeit des abendfüllenden Zeichentrickfilms ist vorbei. Disney überläßt das Feld endgültig den Japanern und Computertricksern. Eine Entwicklung, die ebenso absehbar wie erstaunlich ist. Absehbar, weil sich der Niedergang seit längerer Zeit abzeichnet. Erstaunlich, weil es Disney nicht verstanden hat, die Strukturen seiner Filme auf eine zeitgemäße Weise zu erneuern. Denn die Krise des klassischen Disneyfilms war zu keinem Augenblick eine technische oder ästhetische – CGI-Technik hat im Trickfilm nicht deswegen die Führung übernommen, weil sie mehr Möglichkeiten böte oder in irgendeiner Hinsicht »besser« oder spektakulärer aussehe. Nein, der Unterschied zwischen einem gezeichneten Disney Picture und einer Pixar Animation lag von Anfang in der Erzählweise begründet.

Es wäre müßig darauf einzugehen, auf welchen erzählerischen Schablonen Disney-Filme seit Jahr und Tag abstellen. Selbst die zaghaften Versuche seit der Katzenberg-Ära, in neue Richtungen vorzustoßen, konnten – und wollten es vermutlich auch nicht – die Traditionen nicht verleugnen. Doch stellt sich die Frage, was denn nun an den computeranimierten Filmen so anders ist, daß es ihnen gelingen konnte, ein ganzes Genre aufzulösen. Ein erster Ansatz zur Beantwortung dieser Frage dürfte die Einsicht sein, daß die Revolution wie so häufig erstmal eine Renaissance ist: Filme wie Ice Age, Monsters Inc. oder Finding Nemo sind weniger Erweiterung der erzählerischen Facette als Reduktion. Reduktion auf die ursprünglichsten Elemente des Animationsfilms: Humor, wie etwa in den Warner-Cartoons, abstrahiert um all das Narrative, das Epische und Romantische, das Disneyfilme immer auszeichnete. Und verstärkt um das vorstechendste Attraktionselement, das Zeichentrickfilme überhaupt erst denkbar macht: die Sensation der Bewegung. Letzteres ist deutlich an den vielzähligen Achterbahnfahrten von sowohl Monsters Inc., Finding Nemo und nun auch Große Haie, kleine Fische ersichtlich.

Was sich hier abzeichnet ist die Ausbildung eines neuen Schemas, das, aufgrund seiner Reduziertheit, auf Dauer noch unerträglicher sein wird als das ersetzte. In diesem Sinne prophezeie ich heute die Krise des CGI-Animationsfilms in spätestens fünf Jahren. Bis dahin funktionieren die Filme aber noch blendend, vor allem, weil sich ihre Qualität in nur zwei sehr genau skalierbaren Werten messen läßt: der Menge und der Durchschlagskraft der Gags. Sicher mag der eine oder andere einwenden, die Ausarbeitung der Figuren, eine Handlung, die auch ans Herz geht, oder ähnliches seinen mindestens ebenso wichtig, aber bereits dieser Einwand bestätigt das Sujet in seiner Schablonenhaftigkeit nur.

Ach ja, was ist jetzt eigentlich mit Große Haie, kleine Fische? Nun, lustig ist er auf jeden Fall. Und wen's beruhigt: Die Figuren sind schön ausgearbeitet, und fürs Herz ist auch was dabei. 1970-01-01 01:00
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