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Der große Bagarozy

D 1999. R,B: Bernd Eichinger. K: Gernot Roll. S: Alexander Berner. M: Stephan Zacharias, Henning Lohner. P: Constantin. D: Til Schweiger, Corinna Harfouch, Thomas Heinze, Christine Neubauer, Sonja Kerkes, Detlev Buck u.a.
110 Min. Constantin ab 7.10.99
Von Sascha Westphal Natürlich kann man eine Verfilmung nicht an dem ihr zugrunde liegenden Roman messen. Zu verschieden sind die Mittel und Möglichkeiten von Literatur und Film. Der Wechsel der Form des Erzählens birgt immer einen Verlust, aber er kann auch einen Gewinn bedeuten. Das notwendige Weniger kann seine Entsprechung (oder besser: seinen Gegenpart) im natürlichen Mehr der bewegten Bilder, des Gesamtkunstwerks Kino finden. Das Andere wird zum Maßstab des Vergleichs. Doch gerade in dieser Hinsicht hat Helmut Krausser mit den Verfilmungen seiner Romane bisher kein Glück gehabt.

Zuerst hat Jan Schütte Fette Welt, dieses poetisch-dekadente Meisterwerk unseres fin de siècle, auf eine verlogene Sozialstudie im Look des Elendchics reduziert. Nun hat Bernd Eichinger mit Der große Bagarozy einen großen kleinen Roman über den Teufel und die Callas, über die Produktion von Mythen und deren Vernichtung einem undefinierbaren Mainstream einverleibt, der nichts als Effekte kennt.

Geheimnisvoll und zynisch, schwärmerisch und ironisch, all das ist Kraussers Geschichte um ein seltsames Dreieck, die Psychiaterin Cora Dulz, ihren langweiligen Ehemann Robert und ihren merkwürdigen Patienten Nagy, der behauptet, der Teufel zu sein, und besessen ist vom Gedanken an Maria Callas. Ein leichtes, schillerndes Nocturne, das in der deutschen Literatur seinesgleichen sucht, verliert in Bernd Eichingers Adaption all seine Konturen, ist mal Komödie, mal Thriller, mal Liebesgeschichte, mal Künstlerbiographie, mal Horrorvision, und dann wieder alles oder eben doch gar nichts.

Das Zentrum dieser Leere ist Til Schweiger, der als Teufel so chargiert, wie es nicht einmal Gott verdient hätte. Obwohl Eichinger über weite Strecken der Handlung und sogar den Dialogen des Romans folgt, verfehlt er ihn doch ganz, so als ob er aber auch gar nichts von Kraussers Ideen und Stil verstanden hätte. Das verbindet ihn mit Jan Schütte. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.

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