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Grey Owl

GB/CAN 1999. R: Richard Attenborough. B: William Nicholson. K: Roger Pratt. S: Lesley Walker. M: George Fenton. P: Beaver, Allied Filmmakers, Transfilm. D: Pierce Brosnan, Annie Galipeau, Nathaniel Arcand, David Fox, Graham Greene u.a.
120 Min. Fox ab 13.4.00

Naiv-pädagogisches Naturpathos

Von Matthias Grimm Es gibt da diese Szene, ziemlich am Ende des Films, die den ersten Eindruck von Grey Owl perfekt beschreibt. Ein alter Indianerhäuptling steht vor dem »Apache« Pierce Brosnan, wirft einen langen prüfenden Blick auf den Helden und bricht dann in schallendes Gelächter aus, woraufhin der ganze Stamm mit einfällt. Ebenso waren die Reaktionen des Kinopublikums, als ich zum ersten Mal den Trailer zu diesem Film sah, der uns glauben machen will, Mr. Bond sähe auch nur entfernt wie eine Rothaut aus. Bestimmt würde niemand die blauen Augen und das akzentfreie Englisch bemerken, dachte sich wahrscheinlich das Studio.

Zum Glück verhält es sich nicht ganz so peinlich. Die Frage, warum ausgerechnet Brosnan in Winnetous Fußstapfen tritt, wird schon bald mit dessen britischer Vergangenheit beantwortet, und die Suche nach seiner Identität, der sich das letzte Drittel des Films widmet, gehört zu seinen spannendsten Facetten. Leider läuft Grey Owl erst zum Schluß zu etwas auf, das man mit zugekniffenem Auge eine Hochform nennen könnte. Vorher bekommen wir Political-Correct-Kino in Reinform serviert, daß es schmerzt. Brosnan spielt den Indianer Archie Grey Owl, den letzten seiner Art sozusagen, der durch die malerische Wildnis stapft und dabei kluge Sätze über die Natur abläßt, die etwa das Niveau von Kalenderblattsprüchen besitzen. Natürlich kann das nicht so weitergehen, deswegen wird ihm eine Frau an die Seite gestellt, die er selbstredend nur widerwillig annimmt, aber schließlich – ebenso selbstredend – zu lieben lernt. Diese und zwei gaaaanz süße Biberbabys überzeugen ihn davon, wie wichtig es ist, die Natur zu erhalten und Vegetarier zu werden. Also schreibt er ein Buch und zieht um die Welt, um es allen vorzulesen.

Spätestens hier wird klar, womit wir es bei Grey Owl zu tun haben: Kino mit Botschaft – pädagogisch extrem wertvoll. Regisseur Richard Attenborough versäumt es auch nicht, Wald und Wiese gewinnbringend in Szene zu setzen. Verschneite Berggipfel, tiefe Täler, niedliche Tiere – Grey Owl ist geprägt von einer einzigen Postkartenidylle. Schöne Fotos, aber nichts, das wirklich bewegt. Seltsamerweise werden die Bilder im verregneten England sehr viel ansprechender durch die kontrastreichen Farben, die Dynamik fahrender Eisenbahnen, einfach, weil etwas los ist. Vorher passiert nämlich herzlich wenig. Zu vorhersehbar ist die Handlung, zu pathetisch-naiv die Dialoge.

Die Tatsache, daß der Film auf einer wahren Geschichte beruht, macht einiges wieder wett. Schließlich ist sein Anliegen heute noch wichtiger, als in der Zeit, in der er spielt. Naturschutz, Respekt und ein globales Umweltbewußtsein sind die Dinge, die der Film propagiert. Insofern ist er insbesondere für Kinder sehenswert, nicht zuletzt wegen der Naturaufnahmen und dieser gaaaanz süßen Biberbabys. Wer aber in der Erwachsenenliga spielen will, sollte seine Botschaft mit einem weniger tiefen Griff in die Klischeekiste darbieten. 1970-01-01 01:00
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