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Gott ist tot

D 2002. R,B: Kadir Sözen. K: Axel Block. S: Ulrike Leipold. M: Uwe Buschkötter, Brings. P: Filmfabrik. D: Götz George, Markus Knüfken, Bastian Trost, Barbara-Magdalena Ahren u.a.
95 Min. Nighthawks ab 22.5.03

Wahnsinn in Ehrenfeld

Von Achim Wetter Kommt Kadir Sözen nun an oder kehrt er heim mit dem Sujet seines mittlerweile dritten Kinospielfilms? Das preisgekrönte Debüt Kalte Nächte jedenfalls beleuchtete das harte Künstlerleben in Istanbul, und das interkulturelle Abschiebedrama Winterblume hangelte sich entlang der Verbindungsachse zwischen Marmarameer- und Rheinmetropole. Im dritten Teil dieser Trilogie der Armut wird der Tod Gottes nun in einem trostlosen Mikrokosmos Köln-Ehrenfelds verortet. Bleibt Sözen die Antwort auch schuldig, so wird doch klar, daß ihn vor allem Kontraste und Konflikte innerhalb gesellschaftlicher Randzonen antreiben.

Er erfindet den sympathischen Antihelden Mike, der nach eineinhalb Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, gruppiert um ihn einen naiven Kleinkriminellen als besten Freund und eine hübsche Verkäuferin als pfiffige Geliebte und stellt ihm den verwitweten Sozialhilfeempfänger Heinrich gegenüber, der sich um seinen behinderten Sohn kümmert und jahrelang erfolgreich den Beziehungsansinnen einer alleinstehenden Metzgereibesitzerin widersteht. Zwei starke Charaktere und mit Markus Knüfken und Götz George auch zwei starke Schauspieler, die sich hier als Vater und Sohn erfolgreich Paroli bieten. Heinrichs Träume und Vorstellungen von Anstand und Ehrlichkeit und Mikes stets zum Scheitern verurteilten Versuche, mit allen Mitteln wieder Fuß zu fassen, führen unausweichlich zur Konfrontation.

Der erzählerische wie ästhetische Tenor pendelt ob der polaren Konstruktion mitunter etwas unbeholfen hin und her zwischen beschwingter Arbeiterromanze im ruppigen Verlierermilieu und sensibel gezeichnetem, schwergewichtigem Sozialdrama. Bis die Protagonisten wieder zusammenfinden, liefert eine sich immer nah an die Figuren herantastende Kamera äußerst authentische Filmbilder, die sich eher selten mit Aufnahmen im Fernsehformat den Platz teilen müssen. Getränkt mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit fügt sich dieser Reigen von Versatzstücken jedoch durchweg zu einer unterhaltsamen und grundehrlichen Studie über einen nicht alltäglichen Überlebenskampf und den ganz normalen Wahnsinn. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #30.
© 2012, Schnitt Online

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