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Goodbye Bafana

B/D/RSA/GB 2007. R,B: Bille August. B: Greg Latter. K: Robert Fraisse. S: Hervé Schneid. M: Dario Marianelli. P: Banana Films, Libris Films u.a. D: Joseph Fiennes, Dennis Haysbert, Diane Kruger, Shiloh Henderson u.a.
117 Min. X Verleih ab 12.4.07

Unter der Sonne Afrikas

Von Carsten Happe Jeder verbindet, wenn er den Titel eines bestimmten Films hört oder über einen Film nachdenkt, ein zentrales Bild oder Hauptmotiv mit dem Film, etwas, das in der Werbebranche unter »key visual« abgelegt wird. Bei mir und Goodbye Bafana wäre es das unverschämt gute Wetter am Hafen der Gefängnisinsel Robben Island, jedes Mal, wenn Winnie Mandela ihren inhaftierten Ehemann Nelson im Laufe der 27 Jahre, die er hinter Gittern verbringen muß, besucht. Der strahlende Sonnenschein im schönsten Cinemascope, das azurblaue Meer vor der Küste Südafrikas im Hintergrund – eine politische Biographie ist bei mir als Reiseprospekt abgespeichert.

Der gemächliche Rhythmus des Films rebelliert kaum gegen diese Vorstellung: Die Karriere des Gefängniswärters James Gregory, der eigentlichen Hauptfigur des Films, wird hübsch chronologisch und gediegen bebildert abgehandelt. Die Wandlung vom rassistischen Kotzbrocken zum verständnisvollen Zuhörer ist breit und vorhersehbar angelegt, sodaß man die Aufmerksamkeit durchaus mal auf die durchweg akkurate Ausstattung und eben das einladende Urlaubswetter lenken kann.

Die Grundidee, das Leben und Wirken des unstrittig großen Nelson Mandela aus der Perspektive eines einfachen Wachmanns zu erzählen, ist keineswegs ehrenrührig, sondern ein weitgehend ganz wirkungsvoller dramaturgischer Kniff – die gravitätische Erhabenheit, mit der Dennis Haysbert, der nicht minder würdevolle Präsident David Palmer aus 24, Mandela verkörpert, wäre als Hauptrolle kaum zu ertragen gewesen. So streuen Fiennes und Diane Kruger, die als Gregorys Ehefrau bei weitem nicht so peinlich daherkommt wie in Troy und National Treasure, kleine boshafte, politisch inkorrekte Widerhaken, die den Film vorm Abrutschen ins bildungsbürgerliche Gutmenschenkino bewahren.

Der Hauch von Weltgeschichte, der Goodbye Bafana im letzten Drittel durchströmt, wenn das Schicksal Mandelas öffentlicher wird, verhilft letztlich auch Bille Augusts Film selbst zu einem zusätzlichen Kick. James Gregory und seine Frau haben dann ausgedient – entsprechend versinnbildlicht durch die Tatsache, daß Joseph Fiennes und Diane Kruger ein adäquates Alters-Makeup verweigert wird. Vielleicht aber ging es ihnen letztlich einfach zu gut, um verlebter auszusehen. Sie haben wie ich vor allem das blendende Wetter Südafrikas genossen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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