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Good Woman – Ein Sommer in Amalfi

A Good Woman. USA/I/E 2004. R: Mike Barker. B: Howard Himelstein. K: Ben Seresin. S: Neil Farrell. M: Richard G. Mitchell. P: Meltemi Entertainment, Lighthouse Ent. D: Helen Hunt, Scarlett Johansson, Tom Wilkinson, Stephen Campbell Moore u.a.
93 Min. Universum ab 15.12.05

Not Wilde Enough

Von Jutta Klocke Was die Heraufbeschwörung von Mißverständnissen gerade zwischen Liebenden betrifft, haben sich die Zeiten kaum geändert. Wo heute ein fremder BH unterm Sofakissen den scheinbar unanfechtbaren Beweis einer Affäre liefert, genügte vor einem Jahrhundert bereits der Fächer einer Dame im Salon des falschen Mannes, um das Schlimmste befürchten zu müssen. Zumindest in Oscar Wildes erster Gesellschaftskomödie, nach dem verhängnisvollen Accessoire als »Lady Windermere's Fan« betitelt, wird ein solches Szenario zum Höhepunkt vielerlei Verwicklungen um das Liebes- und Eheleben eines jungen britischen Aristokratenpaares, dessen Vertrauen zueinander durch Lügen und Gerüchte des mit ihm verkehrenden Kreises ständig auf die Probe gestellt wird.

Um des höheren Identifikationspotentials willen wurde die Handlung der Verfilmung Good Woman – Ein Sommer in Amalfi in die 30er Jahre verlegt, wobei zu fragen wäre, ob sich der heutige Zuschauer in einer Gruppe gelangweilter reicher Amerikaner und Europäer tatsächlich eher wiedererkennt als im ähnlich oberflächlichen und auf den eigenen Ruf bedachten Adel. Die prächtige Ausstattung jedenfalls läßt die Urlaubsresidenz an der italienischen Küste und ihre sommerlichen Gäste ebenso nostalgisch-exotisch erscheinen wie ein Setting im Stil der Jahrhundertwende. Allein, dem so elegant und detailreich hergerichteten Production Design fehlt es an Leben; es bleibt vielmehr Kulisse, deren Künstlichkeit durch die zum Großteil flach angelegten Charaktere stets präsent bleibt.

In der Fokussierung auf die Protagonistin, die unschuldig-ernsthafte und leider gänzlich uninteressante Meg Windermere, verliert der Film immer wieder sein Tempo, das auch mithilfe des durchaus beibehaltenen Wildeschen Wortwitzes nicht wieder zurückgewonnen wird. So wie sich Scarlett Johansson kaum Möglichkeiten bieten, ihren Part der jungen Ehefrau über den eines adretten Kostümhakens hinaus aufzuwerten, reduziert sich der Spielraum des übrigen Personals größtenteils auf das Rezitieren heiterer Bonmots oder die Verkörperung von komisch gemeinten, aber in ihrem allzu penetranten Einsatz eher albern wirkenden Randfiguren.

Einzig Tom Wilkinson vermag seine Rolle des gealterten Junggesellen, der sich in die salonunfähige Mrs. Erlynne verliebt, mit der Tiefe eines tatsächlichen Charakters auszustatten. Seine Auftritte reichen aber nicht aus, um darüber hinwegzutäuschen, daß Regisseur Mike Barker mehr Wert auf den schönen Schein der Bilder gelegt hat als auf die Dynamik seiner Geschichte. Im Grunde ist Barker damit genau an der Oberfläche haften geblieben, die es doch gerade als solche zu entlarven galt. Wildes zynischer Blick hinter die Fassade fehlt, und so bleibt die Postkartenidylle unangetastet – und damit zwar hübsch anzusehen, aber eben auch belanglos. 1970-01-01 01:00
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