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Gonin

J 1995. R,B: Takashi Ishii. K: Yasushi Sasakibara. S: Akimasa Kawashima. M: Goro Yasukawa. D: Koichi Sato, Masahiro Motoki, Naoto Takenaka, Takeshi Kitano u.a.
109 Min. REM ab 16.7.98
Von Thomas Kerpen Ein paar kleine, abgehalfterte Kriminelle begehen eine von Anfang an zum Scheitern verurteilte Verzweiflungstat, um ihre zumeist finanziellen Probleme in den Griff zu kriegen. Ein grundsätzlich wenig originelles, aber dennoch unzählige Male auf die Leinwand gebanntes Genrekonstrukt. Auch in Japan hat diese Sorte Kriminalfilm, besser gesagt die Auseinandersetzung mit dem Treiben der Yakuza, eine lange Tradition, vor allem, weil diese Verbrecher-Organisation ein fest integrierter Teil der japanischen Gesellschaft ist.

Doch Ishiis Film ist alles andere als ein weiterer, wenig bemerkenswerter Yakuza-Thriller – darauf weisen schon die ersten Minuten hin. Eine Montage von Bildern eines zuckenden Auges, Wassertropfen, die geräuschvoll in eine Pfütze klatschen und eine verregnete Gasse, in der ein schrill geschminkter Mann einen anderen brutal mit einem Baseballschläger bearbeitet. Ein Alptraum, aus dem Herr Bandai, ein abgebrannter Diskothekenbesitzer kurz darauf erwacht, der aber danach erst richtig für ihn losgeht. Um seine Geldsorgen zu beheben, überfällt er mit Hilfe von vier anderen sozial deklassierten Gestalten ausgerechnet den Yakuza, dem er das Geld schuldet. Dessen Antwort läßt nicht lange auf sich warten, denn der hetzt den schnell ausfindig gemachten Losern zwei seltsame Killer hinterher, einer davon übrigens Regisseur Takeshi Kitano, zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht völlig von den Folgen seines schweren Motorradunfalls im Jahre 1994 genesen.

Takashi Ishii kam erst relativ spät zum Film, nämlich Ende der 70er, als die Nikkatsu Studios seine Comic-Reihe »Tenshi No Harawata« (dt.: Die Eingeweide der Engel) erstand und basierend auf Drehbüchern von Ishii daraus sieben Filme machte, drei davon unter seiner Regie. Dieses auf seinen Erfahrungen als Zeichner basierende Gespür für sehr eigenwillige Visualisierungen und die Verwendung typischer Sex & Crime-Motive trivialster Pulp-Literatur verschaffen Gonin selbst im an Extremen nicht armen japanischen Kino eine absolute Ausnahmestellung. Gonin ist ein wunderschöner, wenn auch für westliche Zuschauer sehr gewalttätiger Bilderbogen, gegen Ende immer stärker konventionelle Filmrealität aufbrechend und sich in surrealen Gefilden verirrend, der seine jeglicher Hoffnung beraubten Protagonisten zum Spielball eines unbarmherzigen, beinahe diabolischen Fatalismus werden läßt und die konkrete Unterscheidung zwischen Gut & Böse in einer undurchdringlichen Grauzone ansiedelt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #11.
© 2012, Schnitt Online

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