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Goldene Zeiten

D 2006. R,B: Peter Thorwarth. B: Alexander Rümelin. K: Jan Fehse. S: Anja Pohl. M: Kraans de Lutin. P: Westside. D: Wotan Wilke Möhring, Dirk Benedict, Wolf Roth, Ludger Pistor u.a.
129 Min. Senator ab 26.1.06

Unheilvolle Hinterlassenschaft

Von Sebastian Gosmann Nach dem Siegeszug von Peter Thorwarths überaus komischem Debüt Bang Boom Bang im Jahre 1999 schlug das Herz von so manchem ruhrpottaffinen Kinogänger fortan höher, gelangte der Name dieses Regisseurs in den Dunstkreis seiner Wahrnehmung. Thorwarths längst zum Kult avancierten Film folgte drei Jahre später die bereits weniger gelungene Umsetzung des durch die Einflechtung zusätzlicher Erzählstränge auf Spielfilmlänge aufgeblasenen Kurzfilms Was nicht paßt, wird passend gemacht. Der Pulsschlag verlangsamte sich, und Enttäuschung kam auf.

Am Ende seines die »Unna-Trilogie« abschließenden – leider nicht abrundenden – Films nun beschleicht den Zuschauer fast das Gefühl, er müsse reanimiert werden. Denn von der spritzigen Kurzweiligkeit des Erstlings ist Goldene Zeiten meilenweit entfernt.Dabei macht Thorwarth eigentlich nicht viel falsch. Er erzählt eine gewohnt verworrene wie schwarzhumorige Geschichte, deren Protagonisten sich in nahezu Coenscher Manier mit jeder Wendung mehr und mehr im Chaos verlieren. Erneut beweist er ein weitestgehend feines Händchen für die Besetzung seiner Figuren. Nach Diether Krebs und Dietmar Bär darf nun der ebenfalls fast ausschließlich im TV agierende Wolf Roth den egoistischen Unternehmergeist geben – und meistert seine Sache bravourös. Auch wenn die Rolle des gebürtigen Bremers die ruhrpöttlerische Verschrobenheit seiner Vorgänger schmerzlich vermissen läßt. Vielleicht mußte Roths in der Unnaer High Society angesiedelte Figur diese charakterliche Beschneidung hinnehmen, um ihre Glaubwürdigkeit als (dialektloser = bildungsnaher) Golfclub-Präsident gewährleisten zu können. Am meisten Spaß bringt – angesichts eines Ralf Richter – überraschenderweise Ludger »Krapp« Pistor als des Präsidenten rechte Hand. Und doch kann Goldene Zeiten nicht überzeugen. Hat Thorwarth mit dem vor Lokalkolorit nur so strotzenden Bang Boom Bang bewiesen, daß er ein vorzüglicher Beobachter seiner heimatlichen Lebenswelt ist, so blitzt der daraus resultierende Dialogwitz in Goldene Zeiten nur noch selten auf. Zu selten.

Es ist, als hätte man auf der Suche nach brennbarem Material auch noch die winzigsten Kohlereste von den Wänden der arg strapazierten Grubenschächte des Ruhrgebiets gekratzt und zu Tage befördert, um sie zu verheizen. Doch leider bleibt der Ofen meist kalt. Der Stoff mag dieses Mal nicht so recht zünden.

Goldene Zeiten krankt primär am vom eigenen Schöpfer hinterlassenen komödiantischen Erbe beziehungsweise an der dadurch evozierten Erwartungshaltung des Zuschauers. Ein Erbe, an dem der Film unwillkürlich gemessen werden wird, und sich messen lassen muß, handelt es sich doch, wie eingangs erwähnt, um den letzten Teil einer Trilogie. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
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