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Go West, Young Man!

NL 2003. R,B: Peter Delpeut, Mart Dominicus. K: Stef Tijdink. S: Menno Boerema. M: Paul M. van Brugge. P: Pieter Van Huystee Film & TV.
84 Min. flaxfilm ab 27.10.05

Cowboys & Gunmen

Von Frank Brenner Es ist das uramerikanische Filmgenre und hat mit seinen Konventionen die Filmhistorie wie kaum ein anderes über die Jahrzehnte hinweg geprägt. Noch immer scheint es unzählige Anhänger zu geben, doch der Western hat an der Box Office des neuen Hollywood schon lange nichts mehr zu melden. Da nützt es wenig, daß selbst ein Hitgarant wie Steven Spielberg Pläne für einen Western in seiner Schublade hat. Das Ende dieses traditionellen Genres wurde spätestens in den 70er Jahren eingeläutet, als der Eurowestern die Werte ad absurdum geführt hatte und man mit ausgeklügelter Tricktechnik im Kino nun die neuen Grenzen der Menschheit in den Weiten des Weltalls zu suchen begann.

Die niederländischen Filmemacher Peter Delpeut und Mart Dominicus, ihres Zeichens angesehene Filmwissenschaftler und -historiker, haben sich vor Ort in den westlichen Staaten der USA auf Spurensuche begeben, Schauplätze bekannter Filmklassiker ausfindig gemacht und Menschen getroffen, die auch heutzutage noch dem Verschwinden des Westerns nachtrauern. Neben den Betreibern des Internetportals ReadTheWest.com, die sich dafür einsetzen, daß das Genre in Hollywood sein Revival erfahren kann, kommen auch die Regisseure John Milius und William A. Fraker (Monte Walsh) zu Wort, deren Liebe zu Cowboys und Panoramaaufnahmen des Monument Valley nach wie vor ungebrochen ist.

Chefkameramann Stef Tijdink hat hier ebenfalls ein sicheres Händchen dafür, die faszinierenden Landschaften und schier unendlichen Weiten der kargen Natur wirkungsvoll einzufangen. Im Navacho-Reservat begegnet das Team Dan Israels, der in der Glanzzeit der Western so mancher Rothaut auf der Leinwand eindrucksvoll Gestalt verlieh, sich bislang aber beharrlich geweigert hat, einen seiner Filmauftritte anzuschauen. Es ist etwas schade, daß auch den Zuschauern dieser sorgfältig gestalteten und abwechslungsreich inszenierten Dokumentation dieses Vergnügen ebenfalls nicht zuteil wird. Delpeut und Dominicus beschränken sich bei der Auswahl der Filmausschnitte ohnehin lediglich auf vier der großen Klassiker, was ihrem Film insgesamt aber sicherlich zugute kommt. Allein anhand dieser sehr unterschiedlichen Werke können die beiden eine Vielzahl an gestalterischen Mitteln, Aussagen und Stilen aufzeigen und mit ihren vielfältigen Beobachtungen im Hier und Heute verknüpfen.

Go West, Young Man! zeichnet das Bild eines in Vergessenheit geratenen Filmgenres, wie dieses immer noch den Alltag vieler US-Amerikaner bestimmt und nicht zuletzt, was auch heute noch für eine Faszination davon ausgeht. 1970-01-01 01:00
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