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Das Glücksprinzip

Pay It Forward. USA 2000. R: Mimi Leder. B: Leslie Dixon. K: Oliver Stapleton. S: David Rosenbloom. M: Thomas Newman. P: Tapestry. D: Kevin Spacey, Helen Hunt, Haley Joel Osment, Jay Mohr, James Caviezel, Jon Bon Jovi, Angie Dickinson u.a.
123 Min. Tobis ab 5.4.01
Von Frank Brenner Können Filme die Welt verbessern? Wohl kaum. Filme sollten den Zuschauer unterhalten oder eine Herausforderung sein. Um so besser, wenn es dem Regisseur gelingt, beides zu erreichen. Unter gewissen Voraussetzungen hat Mimi Leder dies mit dem Glücksprinzip geschafft.

Es geht darin um einen Lehrer, der seine siebte Klasse im Sozialkundeunterricht vor die Aufgabe stellt, die Welt zu verbessern. Ein vom Leben besonders gebeutelter Schüler erarbeitet daraufhin ein Dominoprinzip, bei dem man drei Menschen einen großen Gefallen erweist und diese davon überzeugt, das gleiche mit drei weiteren Menschen zu tun. So kann das Glück seinen Lauf nehmen und innerhalb kürzester Zeit zur Verbesserung der Welt beitragen.

Wem diese Story zu herzensgut, zu korrekt oder zu gefühlsduselig erscheint, der wird sich schon bald sehr unwohl fühlen im Kinosessel. Wer sich darauf einlassen kann, dem wird ein wirklich bewegendes Melodram geboten, das sich seiner Sentimentalitäten nicht zu schämen braucht. Schließlich könnte das Ganze auch sehr schnell lächerlich wirken, wäre der Film nicht mit herausragenden Schauspielern besetzt.

Kevin Spacey als Verbrennungsopfer mit entstelltem Gesicht, Helen Hunt als alleinerziehende Alkoholikerin und Angie Dickinson in einer kleinen Rolle als verkommene Straßenpennerin lohnen schon allein ein Anschauen, weil sie ihre Figuren ernstnehmen und durch ihre Interpretationen die Glaubwürdigkeit des Films erhöhen.

Die Romanvorlage von Catherine Ryan Hyde platzt inhaltlich aus allen Nähten, und so muß auch Leders Adaption eine Vielzahl an Problemen abhandeln; neben Alkoholismus, Obdachlosigkeit und Behinderung sind das Themen wie Drogenkonsum, Gewalt in der Familie und an Schulen sowie Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation. Bei solch einer Überfrachtung kann ein Film schnell aufgesetzt und gekünstelt wirken. Doch Mimi Leder gelingt auch dieser Balanceakt durch kleine selbstironische Brechungen, die von Zeit zu Zeit in die dramatischen Verwicklungen eingeflochten sind.

Ganz in der Tradition Douglas Sirks werden in Das Glücksprinzip familiäre Probleme mit einem größeren gesellschaftskritischen Rahmen kombiniert, und genau wie bei Sirk scheint das Ende geradezu im Kitsch zu ertrinken. Deswegen sollte man auf keinen Fall die Taschentücher vergessen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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