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Glück im Spiel

Lucky You. USA 2006. R,B: Curtis Hanson. B: Eric Roth. K: Peter Deming. S: Craig Kitson, William Kerr. M: Christopher Young. P: Lucky You Pictures Inc., DiNovi Pictures u.a. D: Eric Bana, Drew Barrymore, Robert Duvall, Debra Messing, Robert Downey Jr. u.a.
124 Min. Warner ab 28.6.07

Lucky Huck

Von Marieke Julia Steinhoff Beginnen wir doch einfach mit der ersten Szene: Ein junger attraktiver Mann (Huck) mit schwarzer Lederjacke betritt einen gammeligen Shop und verhandelt mit der Ladenbesitzerin. Das Farbspektrum ist gräulich, im Schuß-Gegenschuß-Verfahren wird eine rhetorische Wettbewerbssituation aufgebaut. Er taktiert, wickelt die Frau mit seinem Charme ein und überzeugt sie am Ende von seinem Deal – er tauscht eine Digitalkamera und einen Ring, der offensichtlich eine besondere Bedeutung für ihn hat, gegen Bares. Es wird deutlich: Es geht ums Geld, ums Gewinnen, aber auch um eine persönliche Motivation, symbolisiert durch den Ring. Schnitt. Der Vorspann beginnt, Rockmusik ertönt, wir sehen Huck auf seinem Motorrad, er rast mit unbewegter Miene durch das nächtliche Las Vegas, er kommt irgendwo an, geht in ein Gebäude, die Rockmusik wird zu sanfter Jazzmusik – wir sind im Bellaggio Casino angekommen, der Welt des Glückspiels: warme, satte Farben, die Kamera schwebt durch die Lounge und kommt schließlich im Pokerraum an. Das Spiel beginnt.

Eigentlich hat man jetzt auch schon alles verstanden: Es geht um einen Glücksspieler, einen Einzelgänger, der sich in verschiedenen Welten bewegt und sich mit diversen Tricks durchs Leben schlägt, immer auf der Suche nach dem nächsten Coup. Und es gibt eine persönliche Geschichte, die ihn dabei antreibt, wobei der Ring sowohl für Familie als auch für Liebesbeziehungen stehen kann. Wir ahnen: Unser einsamer Cowboy hat ein Problem und dieses muß im Laufe des Films gelöst werden. Und wie macht man das am besten? Man konfrontiert ihn mit einer liebenswerten und gewissenhaften jungen Frau, die ihm dazu verhilft erstens: endlich eine ernste Liebesbeziehung einzugehen, zweitens: das gestörte Verhältnis zu seiner Familie zu bereinigen und drittens: zu der Erkenntnis zu kommen, daß moralische Werte wichtiger sind als das Gewinnen eines Spiels. Hinzu kommt nun noch der Übervater, zweimaliger Gewinner der World Series of Poker, der seinerzeit den Ehering von Hucks mittlerweile verstorbener Mutter ohne ihr Wissen verhökert hatte, was ihm Huck nie verziehen hat. Privat ist Funkstille, dafür treffen Vater und Sohn des öfteren im Spielsaal aufeinander und tragen ihre Konflikte auf diese Weise aus.

Das Poker-Spiel als Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen – klingt langweilig? Ist es auch. Zu naheliegend scheint die Gegenüberstellung der Gegensätze Täuschung und Ehrlichkeit, Individualismus und soziale Kompetenz, Skepsis und Vertrauen. Zwar wirkt es konsequent, daß die Poker-Spiele sowie das Aufeinandertreffen der problematischen Paarkonstellationen Vater/Sohn, Mann/Frau auf ähnliche Weise inszeniert sind – im ständigen Schuß-Gegenschuß-Verfahren, wobei das Machtspiel und Taktieren der jeweiligen Personenpaare herausgestellt wird – aber es nimmt dem Film auch jegliche Spannung, da klar ist, daß die private Konfliktlösung im Vordergrund steht und nicht, wer am Ende die Poker-Weltmeisterschaft gewinnen wird. »You can’t have sympathy and win« wird Hucks Vater vor dem letzten gemeinsamen Spiel zu seinem Sohn sagen, und wir wissen: Huck wird die Partie nicht gewinnen und trotzdem als Sieger den Showdown verlassen.

Curtis Hanson, bekannt für sein Talent, charakterliche Tiefen glaubwürdig darzustellen, Settings detailgenau nachzubilden und Spannung zu erzeugen, konfrontiert uns in Glück im Spiel mit stereotypen Figurenzeichnungen und einer vorhersehbaren Handlung. Man vermißt die Spannung und die Komplexität der Charaktere in L.A. Confidential sowie die Skurrilität und Abgründigkeit in Wonder Boys. Einzig seine Freude am Detail mag wieder überzeugen, sowohl was die Ausstattung der Räume als auch das genaue Inszenieren der Poker-Spiele betrifft, was dann ja vielleicht wenigstens die Poker-Liebhaber unter uns begeistern wird. 1970-01-01 01:00
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