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Globi und der Schattenräuber

D/CH 2003. R: Robi Engler. B: Peter Lawrence u.a. M: Uwe Fahrenkrog-Petersen, Laurent Garnier, Alberto Mompellio. P: MotionWorks, Fama Film, Impuls u.a.
75 Min. MotionWorks ab 18.8.05

Vogel blau à la japonaise

Von Daniel Albers Was für die Deutschen Lurchi ist (oder zumindest mal war), ist für die Schweizer Globi, ein Comic-Papagei und seines Zeichens oberschlauer Erfinder. Einstmals als Werbefigur für ein Warenhaus entwickelt und in seinem Heimatland seit 70 Jahren immer wieder Renaissancen bei den Heranwachsenden feiernd, soll der bei uns bis dato nahezu unbekannte Daniel-Düsentrieb-Verschnitt nun seinen Siegeszug durch Europas Kinderzimmer antreten, indem er einfach – so scheinbar die Meinung der Verantwortlichen – in eine zeitgemäß-coole Manga-Welt verfrachtet wird und dort samt Möchtegern-Batmobil und R2D2-ähnlichem Helferlein die Welt ein bißchen besser macht. So ein bunter Stil-Wirrwarr voller Versatzstücke aus den unterschiedlichsten Ecken der modernen Comic-Kultur kann doch nicht funktionieren?

Stimmt! Der Fairness halber aber dennoch hier die (überaus schlichte) Story: Globi soll verhindern, daß Maestro, ein talentfreier Trommler, der sich als verkanntes Musikgenie begreift, weiterhin die Schatten und damit den künstlerischen Geist einer immer größeren Anzahl besonders begabter Musiker »absaugt« (ja, er respektive sein Gehilfe tut Besagtes mit einem Staubsauger), um sich so mit einem von ihm dirigierten »Schattenorchester« die Welt der Musik untertan zu machen. Natürlich ist es wie in jedem Kinderfilm letztlich die wahre Freundschaft, die alles zu einem guten Ende führt – in diesem Fall ist es Lucinda, die unbeirrt zu ihrem Freund Benji hält, auch als er seines herausragenden Talents als hochbegabter Rockmusiker beraubt ist.

Das Zermürbendste an der Rezeption dieses Films ist jedoch weder die dürftige Story noch der beschriebene inhomogene Comicstil-Mix. Es ist das immer wieder befremdliche völlige Fehlen adäquater Motivationen in der Plotentwicklung. So fällt der Weg vom aus dem Takt gekommenen kleinen Marschtrommler zum größenwahnsinnigen Weltherrschaftsanwärter bemerkenswert kurz aus – ganz, als ob zwanzig Minuten Animation herausgeschnitten worden wären. Und wie es denn kommt, daß besagter Maestro plötzlich ein überdimensionales, unter die Erde verschwindendes Opernhaus mit Lichtorgel zum Erreichen seiner ehrgeizigen Pläne zur Verfügung gestellt bekommt, bleibt ebenso völlig unerklärlich.

Man stelle sich Lurchi vor, wie er durch Sin City fliegt, mit Herbert Feuersteins »Hänschen Klein«-Stimme schlaue Sprüche von sich gibt und Pläne ausheckt, um Yellow Bastard von seinem Wahnsinn zu befreien – schon hat man eine Vorstellung von der Unausgegorenheit dieses Films, der für Kinder teils zu düster, für Jugendliche zu platt und zu belehrend und für die meisten Erwachsenen einfach nur kaum zu ertragen sein dürfte – ganz im Gegensatz zu durchaus gelungenen, japanischen Familien-Animes wie z.B. Chihiros Reise, deren ersatzweiser Konsum hiermit wärmstens empfohlen wird. 1970-01-01 01:00
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