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Girls Town

USA 1996. R,B,S: Jim McKay. B: Denise Casano, Anna Grace u.a. K: Russell Fine. S: Alex Hall. M: GURU. D: Lili Taylor, Bruklin Harris, Anna Grace, Aunjanue Ellis u.a.
93 Min. Tobis ab 6.2.97
Von Tom Beyer Wenn ehemalige Videoclip-Regisseure Spielfilme drehen, verheißt dies oft nichts Gutes. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Jim McKay gehört zu jener kleinen Gruppe von Regisseuren, die beim Wechsel ins Spielfilmfach die Clip-Ästhetik dort lassen, wo sie hin gehört, nämlich ins Fernsehen zu MTV oder VIVA.

Für Girls Town hat sich der Regisseur eher an seiner zweiten Herkunft und Leidenschaft, dem Dokumentarfilm im Stile des direct cinema, orientiert. Herausgekommen ist eine äußerst authentische Geschichte von jungen Frauen im heutigen Amerika. Angela, Emma, Patti und Nikki sind vier High-School-Girls, die kurz vor dem Abschluß stehen und trotz unterschiedlichster familiärer Hintergründe gemeinsam Freud und Leid des New Yorker Vorstadtlebens teilen. Ihre Gespräche drehen sich um Schule, Jungs und Zukunftssorgen, bis eines Tages der plötzliche Selbstmord von Nikki alles verändert. Ratlosigkeit, Wut und die Suche nach den Schuldigen bestimmen von nun das Leben der Freundinnen. Als die Mädchen von Nikkis zurückliegender Vergewaltigung erfahren, werden sie aktiv.

Was Girls Town von ähnlich angelegten street movies unterscheidet, ist die absolute Glaubwürdigkeit in Sprache und Darstellung. Jim McKay konzentriert sich auf seine Figuren und kann sich dabei auf hervorragende Darsteller verlassen. Die Inszenierung ordnet sich den Mädchen und ihren Gefühlen unter, die Kamera ist hautnaher Begleiter. Um die Authentizität der Charaktere zu steigern, arbeitete der Regisseur zwei Jahre lang gemeinsam mit den Schauspielerinnen am Drehbuch und konnte den Low-Budget-Film so in nur zwölf Tagen Drehzeit realisieren. GURU, bekannt als host der Jazzmatazz-CD-Reihe, liefert mit dem hip-hop-score den idealen musikalischen Background zu einem Filmdebüt, das durch Dichte und Lebendigkeit überzeugt. Auf dem Sundance Festival wurde das mit dem Spezialpreis der Jury und der »Filmmakers' Trophy« honoriert. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
© 2012, Schnitt Online

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