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Girlfight

USA 2000. R,B: Karyn Kusama. K: Patrick Cady. S: Plummy Tucker. M: Theodore Shapiro. P: Green/Renzi, Independent Film Channel. D: Michelle Rodriguez, santiago Douglas, Jaime Tirelli u.a.
110 Min. Senator ab 8.2.01

Auf eigene Faust: Kampf der Männerwelt

Von Rüdiger Suchsland Schläge, schnell und fest. Immer wieder treffen sie das Auge der Kamera. »Come on« hören wir, und sehen, wie Diana, die nicht umsonst nach der Göttin der Jagd benannt ist, ihr Kinn vorreckt. Entschlossen. »Come on, be a man!«

Wo im Kino derzeit von Frauen und jungen Mädchen die Rede ist, müssen diese, so scheint es, jetzt endlich auch in die letzten Domänen einbrechen, und all jene Terrains erobern, die – vielleicht mit guten Gründen – bisher gern den Männern überlassen wurden. Wer nicht wie die weiblichen Figuren früherer Jahre hilflos dem Sturzbach der Wirklichkeit ausgesetzt sein will, ist gezwungen, die notwendigen Widerstandspotentiale offenbar vorzugsweise im eigenen Körper zu entwickeln, und das Kämpfen auch mit den Waffen des »starken Geschlechts« lernen.

Der französische Film Baise-moi führte das gerade in einer Weise vor, die hierzulande auf viel Kritik stieß – was daran am meisten irritierte, war der Ton, in dem sie vorgetragen wurde. Längst vergessen geglaubte Kategorien – »Skandal!«, »Verbot!« – kehrten mit einem Mal zurück; Kino sollte wieder als moralische Anstalt fungieren, und Kritiker, die jeden zweiten C-Movie, solange er nur mit der rechten Gesinnung ausgestattet ist, in den Himmel loben, fanden Baise-moi einfach nur »dumm«. Mehr hatte man offenbar nicht zu sagen – und das war zuwenig. Karyn Kusamas Film Girlfight hat Ähnliches nicht zu befürchten. Bei den Hofer Filmtagen wurde er zum Renner einer ganzen Reihe von Beiträgen, in denen man junge Frauen einen klassischen Männerpart ausfüllen sah. Auch sportlich: Fechten, Sumo-Ringen – oder eben Boxen.

Doch es gehört zu den großen Stärken von Girlfight, dass es hier trotzdem nicht in der Hauptsache ums Boxen geht. Für die New Yorker Schülerin Diana (Michelle Rodriguez), die mit Vater und Bruder in einem Brooklyner Wohnblock der Lower-Class lebt, ist der Sport ein Weg zur Befreiung und Selbstdisziplinierung. Die Regisseurin, selbst Boxfan, erzählt diesen Weg als gradlinige Success-Story mit einigem Pathos.

Was daran gefällt, ist der differenzierte Blick aufs dargestellte Milieu, noch mehr aber die rasante, intensive Form, in der Training und Kämpfe in Szene gesetzt sind. Immer wieder prügeln die Fäuste aufs Kamerauge, schlagen den Zuschauer förmlich ins Gesicht, und fordern körperliche Reaktionen heraus. Während in der Darstellung der Trainingseinheiten Monotonie und Wiederholung dominieren, stellt Kusama jeden der drei großen Kämpfe, die ihre Heldin zu bestehen hat, in sehr unterschiedlicher Form da.Doch dahinter steckt mehr. Karyn Kusama inszeniert Frauen-Stärke in neuer Form. »Ich benutze die Box-Cliches, um eine Emanzipationsstory zu erzählen« erklärt sie dazu.

Tatsächlich: Dianas Ich wird umso stärker, je mehr die junge Frau ihr Geschick selbst kontrolliert. »Boxen is brain over body« sagt einmal ihr Trainer. Das könnte man auch über diesen Film sagen. Aber letztlich geht es um körperliche Überlegenheit. (Muskel-)Stärke in einer Männerwelt, in der zwar einige Nice-Guys und väterliche Trainer, aber noch mehr missbrauchende Väter, Schläger und potentielle Vergewaltiger leben. Alles an Diana will und darf hier sich körperlich selbst austoben.

Weibliche Emotion darf Aggression sein. David Finchers Fight Club kommt einem wieder in den Sinn, viel mehr noch als der erste Rocky, auch eine Underdog-Story, die hier unverhohlen anzitiert wird. Und wenn man sich Girlfight und Baise-moi einmal genau anschaut, könnte man entdecken, dass sich beide ähnlicher sind, als manchen lieb sein dürfte. 1970-01-01 01:00

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