— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Get Real

GB 1998. R: Simon Shore. B: Patrick Wilde. K: Alan Almond. S: Barrie Vince. M: John Lunn. P: Alliance. D: Ben Silverstone, Brad Gorton, Charlotte Brittain, Stacy Hart, Kate McEnery u.a.
108 Min. Arthaus ab 14.10.99
Von Antje Krumm Man nehme einen beliebten Jungen und ein hübsches Mädchen, das nicht zur coolen Clique gehört. Dann füge man ein paar Jungs – gerne aus dem Football-Team – hinzu, die ständig kindische Späße mit dem Mädchen abziehen. Dann bringe man Junge und Mädchen außerhalb der Schule zusammen, und schon hat man die perfekte romantische Coming-of-Age-Komödie für Teenager.

Im Prinzip funktioniert auch Get Real nach dieser Rezeptur, doch besteht das werdende Paar aus zwei Jungs – was zu einigen Abweichungen von den Genre-Normen führt. Steven ist schüchtern, gehört nicht dazu, und nur seine beste Freundin Linda weiß, daß die Sportler den Nagel auf den Kopf treffen, wenn sie ihn Schwuchtel nennen. Der angesagte Brad, ein Spitzen-Leichtathlet und laut Linda »sex on legs«, ist das Objekt seiner heimlichen Begierde. So staunt Steven nicht schlecht, als er ausgerechnet ihn an einem extrem schwulen Örtchen trifft. Die beiden werden tatsächlich ein Paar, doch das Happy End ist damit nicht in Sicht. Brad will in der Schule nicht einmal mit seinem Liebsten reden – und damit überschatten dicke Wolken bereits den Beginn ihrer Beziehung.

Get Real ist jedoch kein schwerer Problemfilm, sondern eine britische Komödie, und so gelingt Simon Shore der Brückenschlag zwischen Seufzen und Jubeln mit entspannter Leichtigkeit. Obwohl die ernste Thematik in der angenehmen Verpackung flockigen Humors geliefert wird, steht diese Queer Comedy den amerikanischen Teenie-Filmen der 80er Jahre näher als ihren britischen Verwandten. Wenn nicht zwischendurch in den Monologen allzu dramatisch Patrick Wildes Theaterstück »What's Wrong with Angry« durchschimmern würde, könnte Steven Carter als schwuler Ferris Bueller durchgehen – mit Pool, aber ohne Parade. Als britische Homo-Antwort auf John Hughes vereinigt Get Real scheinbar Unvereinbares. Und so endet die Geschichte nach einem emotionsgeladenen Finale à la Hollywood ganz zum Schluß erfreulich unamerikanisch. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap