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Get Carter – Die Wahrheit tut weh

USA 2000. R: Stephen Kay. B: David McKenna. K: Mauro Fiore. S: Jerry Greenberg. M: Tyler Bates, Paul Oakenfold. P: Morgan Creek, Warner. D: Sylvester Stallone, Rachel Leigh Cook, Miranda Richardson, Mickey Rourke, Michael Caine u.a.
102 Min. Warner ab 16.8.01

Designter Stallone

Von Carsten Tritt Der neue Stallone ist angelaufen, in Deutschland mit gut anderthalb Jahren Verspätung gegenüber dem Rest der Welt, aber das hat sowieso kaum einer gemerkt. Vorbei sind die 70er, als Stallone noch als junger Boxer den amerikanischen Traum träumte, vorbei die 80er, als ein ehrlicher amerikanischer Soldat und seine Maschinenpistole noch dutzendweise Ruskis wegballern durften.

Der neue Stallone ist anders. Er kommt nicht nur in Designerklamotten daher, sondert findet sich auch in einem Designerfilm wieder, in einer Mischungen aus Slow Motion und Zeitraffer, in auseinandergeschnittenen und wieder neu zusammengeleimten Bildern. Sogar auf der Tonspur setzt sich das fort, man mag kaum von »Filmmusik« sprechen, statt dessen herrscht konsequentes Sounddesign. Solchermaßen wird Stallone in den Film eingeführt, und so wird er ihn nach einer Stunde und vierzig Minuten auch wieder verlassen. Jede Action-Sequenz, wenn denn mal geschossen oder zu schnell Auto gefahren wird, ist in dieselbe klinische Sterilität gefaßt; da ist kein Platz für den Schweiß eines Rocky oder Rambo, und wenn trotzdem mal geblutet wird ist klar: Sowas kommt in einer Klinik nun mal vor.

Freilich, über die ganze Länge kann Chef-Designer Stephen Kay seine audiovisuelle Performance nicht durchhalten, und was zwischen seinen einzelnen Designer-Nummern herrscht, ist somit vor allem viel Leerlauf. Da sieht man den Stallone 2000 mit in Stein geschlagenem Gesichtsausdruck und erkennt seine Wandlung, die sich nur in seinem Inneren vollzieht, die aber nebenbei auch eine eigene Bewußtseinswandlung ist, die sich in lautem Schnarchen ausdrücken könnte, würde man nicht durch den gelegentlichen Schußwaffengebrauch wieder aufgeschreckt.

Es nützt leider nichts, wie Kay den Kontrast wunderbar aufbaut, der zwischen den glänzenden inszenierten Nebendarstellern und seiner Hauptfigur herrscht, die gleich einem übelgelaunten Golem durch den Film latscht. Auf Spielfilmlänge ist nämlich irgendwann der Bart dann ab, eigentlich schon lange bevor der große Michael Caine nach nur vier oder fünf Szenen durch einen Schuß in den Rücken sein Ende findet, und nicht erst danach, wie es uns Stallones Barbier weismachen will.

Michael Caine und Get Carter, war da nicht noch was? Richtig, 1971 spielte Caine in der ersten Verfilmung von Ted Lewis' Roman selbst die Hauptrolle, was auch der eigentliche Grund für seinen neuerlichen Auftritt sein dürfte. Damals war Get Carter ein fieser englischer Gangsterfilm von Mike Hodges, viel fieser übrigens als sein 2000er Pendant. Dazwischen liegen Filmwelten, und trotz der langweiligen Gegenwart tut es eigentlich schon gut, zu bemerken, wie sich die visuellen Formen weiterentwickelt haben. Schöner wär's gewesen, wenn Stephen Kay die Form noch ausgefüllt hätte. 1970-01-01 01:00
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