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George Michael – A Different Story

GB 2005. R,B: Southan Morris. K: John Sorapure. S: Guy Harding, Duncan Sheperd. P: Caroline True.
93 Min. academy films ab 12.1.06

Star People

Von Tamara Danicic Der einstige Postertraum der Mädchenzimmer, die männliche Kylie Minogue der 80er Jahre, »the diva himself« (Madonna): Georgios Kyriacos Panayiotou alias George Michael spricht zu uns. Er spricht von den Spaßzeiten mit Wham!, der Band, die nicht erwachsen werden durfte und konnte, von der dünnen Luft des Stardaseins, vom lästigen Zu-Markte-Tragen des eigenen Fleisches, von Entfremdung, Einsamkeit. Von seiner großen Liebe Anselmo, die von AIDS dahingerafft wurde, während er auf der Bühne einem anderen AIDS-Opfer, Freddie Mercury, seine letzte Ehre erwies, vom Tod der geliebten Mutter und dem Lied »You Have Been Loved«. All das kommt reflektiert, offen, und mit einer gesunden, selbstironischen Portion Distanz rüber.

Wow! Ein verweilender Blick ins Boudoir, ein Streifzug durch die geheimen Kammern eines Sängerherzens? Mitnichten. Schließlich scheint es dem fernsehkonditionierten Regisseur Southan Morris vor allem darum zu gehen, das komplette Pensum durchzuhecheln. Von den allerersten Schritten der Wham!-Vorläufer-Gruppe »The Executive« bis zum heutigen Popveteranen und Musikbusiness-Verweigerer George Michael. »Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran«, möchte man anstimmen. Es ist so, als hielte man einen George Michael-Bildband in Händen und flippe wie beim Daumenkino durch. Ein Videoclipausschnitt jagt die nächste Archivaufnahme jagt das nächste Talking-Head-Interview mit Weggefährten und solchen, von denen so getan wird, als seien sie es jemals gewesen. Bei manchen, wie etwa Mariah Carey oder Noel Gallagher, wird man den Verdacht nicht los, daß ihre Präsenz eigentlich nur einem die Poster schmückenden Name-Dropping geschuldet ist. Spannendste Figur in diesem »Ich war auch dabei«-Kabinett ist zweifellos Boy George, der sich selbst als von Neid zerfressene, selbstverliebte Tunte disqualifiziert.

Eigentlich hätte der Film durchaus das Zeug gehabt, über einen gestreckten Galopp durch über zwanzig Jahre Pop hinauszugehen und wirklich eine »andere Geschichte« des Starseins (und natürlich auch des Schwulseins) zu erzählen. Zumal man das Gefühl hat, daß diese Geschichte George Michael tatsächlich am Herzen liegt. Stattdessen muß man den Künstler sogar noch bis zu seiner ehemaligen Grundschule begleiten. Und so erweist sich, wie so oft, daß weniger eben doch mehr gewesen wäre. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
© 2012, Schnitt Online

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