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Gente di Roma

I 2003. R,B: Ettore Scola. B: Paola Scola, Silvia Scola. K: Franco Di Giacomo. S: Raimondo Crociani. M: Armando Trovajoli. P: Istituto Luce, Romi Cinematografica. D: Giorgio Colangeli, Antonello Fassari, Fabio Ferrari, Fiorenzo Fiorentini u.a.
100 Min. Movienet ab 20.1.05

Das Gold von Rom

Von Frank Brenner In den 1950er Jahren, als im italienischen Kino der Neorealismus noch für klingende Kassen sorgte, erfreuten sich vor allem auch Filme großer Beliebtheit, die zu einem Thema mehrere kleine Geschichten mit großer Starbesetzung erzählten. Diesen sogenannten Omnibusfilmen, häufig auch von mehreren verschiedenen Regisseuren zusammen inszeniert, zollt Ettore Scola nun mit seinem neuesten post-neorealistischen Film Gente di Roma eindrucksvoll Tribut. Eine Starbesetzung hat er für seinen episodisch angelegten Film hier nicht zusammengetrommelt, denn so hätte das Ganze zwangsläufig um Einiges unglaubwürdiger gewirkt. Schaut man sich heute Filme wie Das Gold von Neapel an, besteht deren größtes Manko auch in der Tatsache, daß man seinen Stars (wie Sophia Loren und Totò) nur widerwillig abkauft, daß sie arme Würstchen sind, die sich nur mit einer gesunden Portion Einfallsreichtum durchs Leben schlagen können.

Gente di Roma hat keine nacherzählbare Handlung, da der Film in ein gutes Dutzend kleiner und kleinster Geschichten zerfällt, die teilweise nicht viel mehr als visuelle Eindrücke vom Leben in der italienischen Metropole Rom vermitteln. Es geht Scola darum, uns zu zeigen, was Rom so lebens- und liebenswert macht, was für eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen sich hier tagtäglich begegnen, kurze Worte miteinander wechseln oder sich gar nicht weiter beachten. In der Tradition der Neorealisten beschränkt sich Ettore Scola dabei weitgehend auf Episoden aus dem Milieu der Arbeiterklasse. Dafür hat er Schauspieler engagiert, deren Gesichter man nicht kennt, und deren durchschnittliches Äußeres den Authentizitätsfaktor um ein Vielfaches erhöht. Einige Szenen, auch das wird schnell und durchaus beabsichtigt deutlich, sind aus dem Augenblick heraus improvisierte Momente mit semi-dokumentarischem Einschlag.

Daß in einem solchen Konzept Stars wie Stefania Sandrelli nur auftreten können, wenn sie sich selbst spielen, versteht sich von selbst. Aber die Filmszene stellt eben auch eine nicht wegzudenkende Facette im pulsierenden Stadtbild Roms dar. Darüber hinaus erzählt Scola von Arbeitslosen, Immigranten, Obdachlosen, Alten, Alzheimerkranken und immer wieder vom Mann auf der Straße. Mit seinen früheren Werken (La Famiglia, La Terrazza), die auf dialogreiche und pointierte Weise häufig das Leben der italienischen Intelligenzija sezierten, hat Gente di Roma nicht mehr viel gemeinsam. Nichtsdestotrotz ist dem Altmeister mit diesem Film eine faszinierende, abwechslungsreiche und kurzweilige Bestandsaufnahme gelungen. 1970-01-01 01:00
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