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Geliebte Lügen

Separate Lies. GB 2005. R,B: Julian Fellowes. K: Tony Pierce-Roberts. S: Alex Mackie, Martin Walsh. M: Stanislas Syrewicz. P: Celador. D: Tom Wilkinson, Emily Watson, Hermione Norris, John Warnaby u.a.
Fox ab 23.3.06

Aus der Kitschkiste

Von Maike Damm Schwere, dunkle Geländewagen kurven um alleinstehende englische Cottages. Streng angeordnete Rabatten halten das Leben des dort ansässigen Landadels hinter den grau gemauerten Steinwänden und lassen wohlsituierte, unfehlbar korrekte Geschöpfe in maßgeschneiderten Kostümen dahinter vermuten. Eine Kulisse ganz im Stile einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung, die für den Zuschauer allerlei Charaktere bereithält, die vielleicht in ihrer britischen Authentizität überzeugen, weniger aber zu überraschen vermögen.So entsteht im Laufe des Films eine Dreiecksbeziehung zwischen den drei Hauptcharakteren: dem britisch-zugeknöpften James, seiner Ehefrau Anne und dem lässig-rüpelhaften Bill. Entsprechend einer klassischen Inszenierung lassen ehelicher Betrug, Mord und unheilbarer Krebs die Grenzen zwischen Liebe, Schuld und Verantwortung verschwimmen. Und um dieser althergebrachten Handlung die nötige Spannung zu verpassen, werden Lügen und Heimlichtuerei als theoretisch mitreißende Elemente hineingepackt, die schnell durchschaut werden und ihr Ziel verfehlen. Allein die Platzierung der Gegenspieler Lüge und Wahrheit in einem dualen Spannungsfeld zwischen Londoner Stadtapartments und ländlichen Cottages sowie zwischen dem konservativen James und dem Luftikus Bill scheint geglückt. Protagonistin Anne spielt den Hüpfball zwischen den Parteien, und wer hier nun wann für wen und wie lügt, ist regelrecht egal, denn im Endeffekt halten doch alle zusammen, womit wir wieder in Rosamunde Pilchers Kitschkiste angelangt wären.

So werden am Ende des Films weder die harmoniebedürftige Romantikerin mit Affinität zu südenglischen Gartenanlagen noch der Hobby-Detektiv mit Spaß an kniffligen »Fang den Mörder«-Spielchen befriedigt den Kinosaal verlassen. 1970-01-01 01:00

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