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Das Geisterschloß

USA 1999. R: Jan De Bont. B: David Self. K: Karl Walter Lindenlaub. S: Michael Kahn. M: Jerry Goldsmith. P: DreamWorks Pictures. D: Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones, Owen Wilson, Lili Taylor, Bruce Dern u.a.
113 Min. UIP ab 14.10.99

Gähnende Geisterbahn

Von Frank Brenner Türen knarzen und fallen wie von Geisterhand krachend ins Schloß, Ketten rasseln und geheimnisvolles Poltern hallt durch die verstaubten Gänge. Keine Frage: Hill House ist besessen. Daran besteht spätestens dann kein Zweifel mehr, wenn die Hausverwalterin jeden neuen Besucher davon in Kenntnis setzt, daß sie und ihr Mann vor Einbruch der Dunkelheit in die Sicherheit des entfernt gelegenen Städtchens zurückgekehrt sein werden. »Und in der Nacht wird Sie niemand schreien hören…«

Dr. Marrow und seine beiden Begleiter geben vor, in Hill House die Schlaflosigkeit ihrer drei Probanden untersuchen zu wollen. Tatsächlich aber geht es ihnen um die Erforschung von Angstzuständen. Wie passend, daß in dem unheimlichen Gemäuer des 19. Jahrhunderts ein unaufgeklärtes und deshalb ungesühntes Verbrechen stattgefunden hat, daß seine Opfer ebenso wie seinen Täter ruhelos durch den Ort des Grauens geistern läßt.

Mehr sei von der Story an dieser Stelle besser nicht verraten, damit wenigstens ein Funken von Überraschung bleibt. Es ist schon ein Widerspruch in sich, wenn jemand wie Jan De Bont, der mit Speed immerhin ein neues Tempo ins Actionkino brachte, einen derart langsamen und altmodischen Film inszeniert, in dem neben den oben beschriebenen Gruselklischees in der ersten Stunde nichts Nennenswertes passiert. Dem Film liegt ein Buch von Shirley Jackson zugrunde (»The Haunting of Hill House«), das bereits 1962 von Robert Wise meisterhaft verfilmt wurde.

Dieses Remake hat dem außer den tricktechnischen Möglichkeiten der 90er Jahre nichts Neues hinzuzufügen. Die Effekte aber geraten leider einmal mehr zum puren Selbstzweck. Sie tragen genausowenig zum Spannungsaufbau bei wie herkömmliche Geisterbahnschocks. Da verwundert es auch nicht allzu sehr, daß die spannendste Szene des Films ohne übernatürlichen Humbug auskommt. Doch zu allem Überfluß erinnert sie irgendwie an die Eröffnungssequenz aus _Speed_… Schade ist, daß die psychologische Komponente nicht stärker und überzeugender ausgebaut wurde, zumal mit Lily Taylor eine herausragende Darstellerin für die zentrale Rolle zur Verfügung stand.

Das Geisterschloß ist ein Film, bei dem man die Produktionskosten in jeder Szene sieht (die Außenaufnahmen von Harlaxton Manor sind nicht annähernd so beeindruckend und optisch imposant wie die Innendekorationen von Oscar-Preisträger Eugenio Zanetti), der es aber nie schafft, das Potential der Gruselatmosphäre und Bedrückung so deutlich zu machen, wie sein Vorgänger. 1970-01-01 01:00
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