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Das geheime Fenster

Secret Window. USA 2004. R,B: David Koepp. K: Fred Murphy. S: Jill Savitt. M: Philip Glass. P: Pariah. D: Johnny Depp, John Turturro, Maria Bello, Timothy Hutton u.a.
96 Min. ColumbiaTriStar ab 29.4.04

Trash vom Feinsten

Von Sascha Seiler Stephen King Verfilmungen sind ja für die 90er so ein Ding wie bunte Klamotten und schlechte Musik für die 80er; immer mehr zu Ramschware verkommene, unspannende Mainstream-Produkte, die schon nach 15 Minuten langweilen. Der Weg dahin war allerdings schmerzhaft und nicht so leicht nachzuvollziehen – waren doch Brian de Palma (Carrie), John Carpenter (nicht ganz so doll, aber immerhin Carpenter: Christine) und gar Stanley Kubrick (The Shining) die Wegbereiter der King-Welle, die in den mittleren 80ern dann von David Cronenberg (The Dead Zone, sehr gut, aber für Cronenberg Durchschnitt) fortgesetzt wurde.

Das Skurrile, was dann kam, war ja, daß Kings immer besser werdende Romane immer schlechteren Verfilmungen gegenüberstanden. Der Wendepunkt vom Edelgrusel zum Billigtrash war wohl Mary Lamberts völlig mißlungene Adaption von Kings äußerst gelungenem Buch »Pet Sematary«. Was danach kam – von Needful Things über The Dark Half bis hin zu Children of the Corn 1-100 – braucht gar nicht weiter angesprochen zu werden. Am Ende waren King-Verfilmungen entweder als Horror im TV oder als Schmonzetten im Kino zu bewundern, zuletzt Hearts in Atlantis, ein Buch, das der Regisseur überhaupt nicht verstanden hat.

Warum also diese klare Trennung des Horror-King vom Schmalz-King mit einem Hochglanzthriller samt Starbesetzung aufbrechen. Johnny Depp gibt sich äußerst selten für einen von vorneherein als schlecht zu bewertenden Film hin, und dann noch John Turturro aus der Indiegruft hervorgezogen? Eine Antwort darauf gibt es nicht, denn Secret Window schließt nahtlos an den thematisch ähnlich gestrickten Reinfall The Dark Half an – ohne Spannung, ohne Überraschungen, aber mit einem hervorragenden Turturro, dessen darstellerische Leistung dadurch geschmälert wird, daß es seine Figur in Wahrheit gar nicht gibt. Womit der Schluß verraten wäre. Nicht weiter schlimm: Erahnt man sowieso gleich, und inszeniert ist das Ganze ja durchaus konventionell, also zumindest gefällig.

Noch ein Wort zu King und seinem fallenden Wert, der durch dieses Depp-Starvehikel wieder steigen wird: Hearts in Atlantis war sein bislang letzter Versuch, aus dem Morast des Edeltrash-Horrors herauszuschwimmen. Danach ergab er sich widerstandslos seinen Fans und produziert seitdem Ramsch am Fließband. Warum bitte springen Depp und Turturro jetzt auch noch da hinein? 1970-01-01 01:00

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