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Gegen jede Regel

Remember the Titans. USA 2000. R: Boaz Yakin. B: Gregory Allen Howard. K: Philippe Rousselot. S: Michael Tronick. M: Trevor Rabin. P: Jerry Bruckheimer. D: Denzel Washington, Will Patton, Wood Harris, Ryan Hurst, Kip Pardue u.a.
113 Min. Buena Vista ab 29.3.01
Von Oliver Baumgarten Ohne Zweifel steht Jerry Bruckheimer für perfekt kalkulierten Mainstream, für technisch auf höchstem Niveau angesiedelte Unterhaltung und für einen Hochglanz, der Arthouse-Liebhabern unbesehen gerne zu einem dankbaren Feindbild gereicht. Gegen jede Regel bildet entgegen seiner Behauptung hier keine Ausnahme. Der Film ist blitzsauber produziert, handwerklich bei Verzicht auf jeglichen Zippzapp ein Genuß und verfügt über eine Story so aalglatt, daß sie sich wie geschmiert im Bewußtsein der Zuschauer einnistet. Perfektes Entertainment.

Der Film schildert die Geschehnisse um die Etablierung der ersten gemischten Highschool-Footballmannschaft Amerikas, die unter einem schwarzen Trainer eine Menge Vorurteile zu beseitigen und eine Saison zu gewinnen hat. Natürlich wird hier gnadenlos feist eine Gemeinschaft beschworen, die sich jenseits von Gut und Böse, Schwarz und Weiß oder Doof und Helle abspielt. Insgesamt also ein Weltentwurf, der ebenso zum Standard der Traumfabrik gehört wie Hochzeiten mit »Pretty Women«. Insofern hätte Bruckheimer ruhig auf das Prädikat »Beruht auf wahren Begebenheiten« verzichten können. Das glaubt ohnehin kein Schwein.

Aber, wie so oft, kommt es auf historische Genauigkeit natürlich überhaupt nicht an. Der Film produziert einen Überschwang an Pathos, eine emotionale Flutwelle, die unweigerlich krachend über die Zuschauer hereinbricht. Der Bruckheimer-Pathos ist ja nie am tiefsten im Patriotismus verwurzelt, sonst hätte bei ihm wohl kaum ein Schotte Amerika und ein Haufen Gesetzloser die Welt gerettet. Und so menschelt es auch in Gegen jede Regel eher aus der liberalen Ecke – ob dieser Umstand den Pathos aber nun zwingend erträglicher macht, sei dahingestellt. Die kleine Tochter des weißen Coaches beispielsweise schlaumeiert deshalb nicht weniger abgrundnervend.

Boaz Yakin tat gut daran, den Schwerpunkt seiner Inszenierung gerade nicht auf das Footballfeld zu legen. Auch er wäre dort vermutlich jämmerlich an Oliver Stones Any Given Sunday gescheitert, auch wenn es ganz sicher nicht im Sinne Yakins gelegen hätte, die Schlachtfelder Vietnams in ein Stadion zu verlegen, was Stone ungemein brillant gelang. Eher im Gegenteil: Das Footballfeld stellt hier keinen schmutzigen Kriegsschauplatz dar, sondern einen Ort blitzsauberen Vorbilds – das ist zumindest mal eine neue Variante. Und wenig verwunderlich, denn blitzsauber, blitzsauber ist wirklich alles an diesem Film. 1970-01-01 01:00
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