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Gangster No. 1

GB/D 2000. R: Paul McGuigan. B: Johnny Ferguson. K: Peter Sova. S: Andrew Hulmer. M: John Dankworth. P: Channel Four. D: Malcolm McDowell, David Thewlis, Paul Bettany, Saffron Burrows u.a.
105 Min. Senator ab 1.2.01
Von Manuela Brunner Manchmal und immer seltener scheint ein Film nicht ein zusammengestückeltes Werk zahlloser Hände zu sein, sondern ein lebendes Etwas, symbiotische Verschmelzung von Darstellern und Kamera, Ton und Schnitt, von Mensch und Apparat.

Seine Stärke zieht Gangster No. 1 zum einen aus seinem hellwachen Genrebewußtsein, dem The Roaring Twenties und The Godfather nicht fremd sind, das sich aber ebenso mit den modernen Glanzlichtern wie The Limey und Lost Highway bestens vertraut zeigt. Zum anderen gelingt es McGuigan, selbstbewußt seine eigene Nase in diesen scharfen Wind zu strecken.

Er zeichnet den Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses von den 60ern bis in die späten 90er mit Zügen einer klassischen griechischen Tragödie, Erinnyen inklusive. Dieses Moment überrascht um so mehr, da eine comichafte Bildgestaltung vorherrscht: Sorgfältig komponierte, in sich statische Einstellungen, im Kontrast dazu ein extrem dynamischer Schnitt und Split Screens.

Doch damit sind die Ideen Peter Sovas noch lange nicht erschöpft: Die Ermordung eines gegnerischen Gangsterbosses schleudert den Zuschauer in ein Szenario, das frappant den Shootern aus Computerspielen nachempfunden ist. Wir bewegen uns hinter Gangster 55 her, Ton aus dem Off: Überprüfung des Waffen-Inventars. Einen langsamen Tod wird der gegnerische Boß sterben, und über weite Strecken erleben wir ihn aus der Perspektive des Opfers, in unscharfen, körnigen Bildern, Abblende, Aufblende und immer mehr Blut, immer verzerrter das Gesicht des Angreifers. Dann Schwarz und Stille. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
© 2012, Schnitt Online

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