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Gambling, Gods and LSD

CDN/CH 2001. R,B,K,S: Peter Mettler. S: Roland Schlimme. P: Grimthorpe Film. D: John Paul Young, Dant'e Amore, Jose Alves, Christoph Richter, Roger Greminger, Christine Koch, Stephen Arulraj u.a.
180 Min. GMfilms ab 2.10.03

Mondo mortale/Die Entdeckung der Langsamkeit

Von Frank Brenner Peter Mettlers dreistündiger Dokumentarfilm steht in gewisser Weise in der Tradition der »Mondo«-Filme der 70er Jahre. Genau wie die reißerischen und äußerst umstrittenen Pseudo-Dokumentationen von Jacopetti & Co. hat sich auch Mettler auf eine (Bildungs-) Reise rund um die Welt begeben, skurrile, bewegende, komische und traurige Momentaufnahmen eingefangen und somit einen aktuellen, länderübergreifenden Bilderbogen des ausgehenden 20. Jahrhunderts zusammengestellt (die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1997 bis 1999). Die Inspiration und der Zweck sind natürlich zu den »Mondo«-Filmen gänzlich verschieden. Mettler ist nicht daran interessiert, sein Publikum mit expliziter Gewalt und Sex zu schocken, sondern verfolgt eher ein konträres Ziel.

Es dauert eine ganze Weile, bis sich der Zuschauer in den unterschiedlichen Episoden und Bildern zurechtgefunden hat und ihm das Konzept des Filmemachers bewußt wird. Auf dem Weg dorthin entdeckt er mit Mettler zusammen die Langsamkeit, denn viele der Einstellungen sind nicht nur um einiges länger als bei jedem x-beliebigen anderen Film, sondern mitunter auch länger als ihnen selbst gut tut. In seinen stärksten Szenen hat der Regisseur Bilder von einem gemeinsamen christlichen Erweckungs-Popkonzert-Gottesdienst eingefangen, von einem Heroinjunkie, der in Altkleidersammelbehältern übernachtet oder von einem Schweizer Wissenschaftler, der die These vertritt, daß alle Lebewesen auf Erden Teil eines einzigen großen Organismus sind. Nach welchen Kriterien Mettler seine Gesprächspartner ausgewählt hat oder wie er auf sie gestoßen ist, bleibt sein Geheimnis. Indes scheint nach drei Stunden mit herausragenden Bildern, mitreißenden wie trivialen Szenen und einer Prise Langatmigkeit zumindest das Problem gelöst, was den Film zusammenhält. Es ist die Frage, was den Menschen auf unserem Planeten heutzutage dabei hilft, an der Tatsache ihrer individuellen Sterblichkeit nicht zu verzweifeln. Drei von vielen Antwortmöglichkeiten auf diese Frage erschließen sich in den Gesprächen des Regisseur während des Films und liefern ihm seinen Titel. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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