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Fußballgöttinnen

D 2006. R,B: Nina Erfle, Frédérique Veith. K: Klaus Hennrich, Mark Liedtke u.a. S: Anja Neraal, Nelia Ibeh. M: Elke Hosenfeld, Moritz Denis. P: Unique Production.
91 Min. Edition Salzgeber ab 20.4.06

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Von Carsten Tritt Oma Trautchen hat halt ihren Fußball, und der Enkel macht aber lieber Computerspiele. Tina hat einen Hund. Beatrix geht zum Friseur und später dann auch noch Schuhe kaufen. Viola fährt dann etwas überraschend am Ende des Films für ein Jahr oder so nach Amerika ins College. Es ist eine ziemliche Beliebigkeit, mit der der Film, der den hochtrabenden Titel Fußballgöttinnen trägt, daherkommt. Am Ende sind 90 Minuten vorbei, und es ist eigentlich nichts passiert. Noch schlimmer: Man weiß gar nicht, ob etwas hätte passieren sollen. »Vier Frauen lieben denselben Ball« behauptet der Untertitel des Films, der den Beweis hierfür aber schuldig bleibt. Zwar tauchen tatsächlich vier Frauen auf, und alle haben auch irgendwas mit Fußball zu tun. Aber diese Erkenntnis allein reicht leider nicht, um den Dokumentarfilm zu tragen. Die Protagonistinnen selbst scheinen recht wenig miteinander gemein zu haben, und auch in den einzelnen Geschichten wird nichts in erwähnenswerte Zusammenhänge gesetzt, sei es zum privaten Umfeld, zum Beruf oder zum Vereinssystem: Alles wird mal kurz erwähnt, und das war es auch schon. Das wirkt so, als hätte das Material nicht zu mehr gereicht, als sei alles mal kurz abgedreht worden, und für den Endschnitt war dann doch nicht genug da.

Die Filmemacherinnen lassen eigentlich nur die vier Frauen erzählen, dann werden ein paar Spielfeld- oder Alltagsszenen zwischengeschnitten – der Blick des Dokumentarfilmers von Außen, eine Inszenierung, die das Wesentliche betont, findet nicht statt. Viola gewinnt z.B. mit ihrer Mannschaft den UEFA-Cup, Schiedsrichterin Beatrix ist auf einem Lehrgang in Wedau. Aus dem Presseheft erfährt der Rezensent, daß beides irgendwie wichtig sein muß. Auf der Leinwand sieht das dann aber so aus, daß nach Violas Endspiel noch kurz Matthias Platzeck durchs Bild läuft und auch schön gratuliert. Bei Beatrix' Lehrgang gibt es dann noch die Spielanalyse: In der 4. Minute, bei der Verletzung, hat sie schön gemacht, erst die Spielerin fragen, ob sie Behandlung braucht, dann den Betreuern das Zeichen geben, hatten wir ja auch vorher schon so besprochen, und in der 4. Minute, also jetzt in der zweiten Halbzeit, hat sie das Stürmerfoul gut gesehen, war auch wichtig. Danke, Abpfiff. Ihr könnt nacht Hause fahren. 1970-01-01 01:00
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