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Fußball ist unser Leben

D 1999. R: Tomy Wiegand. B: Mathias Dinter, Martin Ritzenhoff. K: Diethard Prengel. S: Christian Nauheimer. M: Tobias Neumann, Martin Probst. P: Hoffmann & Voges. D: Uwe Ochsenknecht, Ralf Richter, Oscar Ortega-Sánchez, Tana Schanzara u.a.
93 Min. SevenX ab 10.2.00
Von Mark Stöhr Es ist nicht einfach für einen Bochumer, die Contenance zu wahren bei einem Film, der nicht nur in Gelsenkirchen spielt, sondern in dessen Mittelpunkt auch noch ein Fanclub des dort ansässigen, durch und durch verachtenswerten Fußballvereins steht. So sei mir gestattet, das zu tun, was mir während der Vorführung leider meine gute Kinderstube verbat – nämlich aufzustehen und zu singen: »Ihr seid Schalker, asoziale Schalker, ihr schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission«. So, jetzt geht's besser.

Nun zum Film. Hans und seine Kollegen Mike, Bernie und Theo sind die Kerntruppe des Schalke 04-Fanclubs »Dios-Knappen Gelsenkirchen«. Da Hans arbeitslos ist und die Taschen voll mit Schulden hat, setzt er sein Haus auf das nächste Tor des Schalker Star-Stürmers Pablo Antonio »Dios« Di Ospeo. Dem steht jedoch der Kopf mehr nach Koks und Frauen als nach ehrlicher Maloche auf dem Rasen, und außerdem ist sein Wechsel zu Inter Mailand schon so gut wie perfekt. Aber nicht mit Hans: Der entführt den Vogel kurzerhand, um ihm mal zu zeigen, wie auf Schalke Fußball gespielt wird. Die Zeit drängt, nur noch eine Woche bis zum letzten Saisonspiel.

Das ist so absurd, wie es klingt, scheint aber blöder, als es ist. Denn läßt man die Schmalspur-Klamotten der letzten Jahre, gerade die unter Mitwirkung von Uwe Ochsenknecht, Revue passieren, so ist Fußball ist unser Leben mit seinen sympathischen Personenzeichnungen und wohl recherchierten Milieubeschreibungen eine richtig gute Fußballkomödie – bei allen dramaturgischen Kapriolen und comichaften Überspanntheiten. Der kleinbürgerliche Ruhrpott-Mief zieht richtiggehend in die Nase, gepaart mit dieser seltsam charmanten Mischung aus Selfmade-Attitüde, großer Klappe und einem gewaltigen Schuß Melancholie. Hans glaubt an Fußball, wie sonst an nichts, und er hat ein Problem. Wieso es nicht mit Fußball lösen? Hat doch bislang auch immer irgendwie geklappt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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