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Fünf mal Zwei

5x2. F 2004. R,B: François Ozon. B: Emmanuèle Bernheim. K: Yorick Le Saux. S: Monica Coleman. M: Philippe Rombi. P: Fidélité. D: Valeria Bruni-Tedeschi, Stéphane Freiss, Géraldine Pailhas, Françoise Fabian u.a.
90 Min. Prokino ab 21.10.04

Verheiratet Verlobt Verliebt

Von Constanze Frowein Am Bild der Geschlechter hat sich seither scheinbar nicht viel geändert. So wie Marianne 1973 in Szenen einer Ehe unter ihrer Erziehung zum Mitgefühl und der Unterdrückung ihrer eigenen Bedürfnisse leidet, ihre Erkenntnis weiterhin zum Ausbruch aus einer beengenden Ehe nutzt, so kann auch Marion in Fünf mal Zwei die Unterbindung eigener Bedürfnisse nicht länger hinnehmen. François Ozons männliche Stereotype Gilles erscheint genauso egozentrisch und herrisch wie Johann 30 Jahre zuvor in Ingmar Bergmans Dialogdrama.

Die Idee einer kurzen Ehe spielt Ozon mit fünf in der Reihenfolge umgekehrten Episoden von der paragraphengepeinigten Scheidung bis zum romantischen Kennenlernen im sonnigen Spanien durch. Trotz formelhaftiger Einfachheit der Figuren läßt es auch Ozon nicht aus, seine filmische Schöpfung eines Paares mit der Kamera durch Nähe und Verständnis anzuerkennen. Mündet Szenen einer Ehe mit der einfachen Liebeserklärung eines Gute-Nacht-Grußes in die Ungewißheit der Dunkelheit, wählt Ozon mit Fünf mal Zwei die Umkehrung der Zeit, um eine romantische Hochzeit absurd und verlogen und ein dem Sonnenuntergang entgegenschwimmendes Paar bedrohlich erscheinen zu lassen. Mit den einfachsten Mitteln verwandelt Ozon menschliche Verdrängungsmechanismen zu einem Stilmittel des Films. Weiß man bereits mit der ersten Szene um das ungute Ende der Liebesbeziehung, läßt man es sich trotzdem nicht nehmen, nach ihrer Existenzberechtigung zu suchen. Einmal mehr gibt sich Ozon nicht der gedanklichen Eindimensionalität hin und schafft mit ungewöhnlich konventionellen Mitteln eine filmische Fragestellung nach der zeitgenössisch üblichen Form des Lebensabschnittsgefährten. Weniger dialoglastig als Szenen einer Ehe und überraschend einfach wird François Ozon, möchte man ihm die Schlichtheit seines aktuellen Filmes übel nehmen, zum Frauenversteher. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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