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Fucking Different

D 2005. R,B: Jürgen Brüning, Michael Brynntrup, Juana Dubiel, Eva Bröckerhoff, Undine Frömming u.a. K: Valentin Albersmann, Uwe Bohrer, Michael Brynntrup, Juana Dubiel u.a. S: Jürgen Brüning, Michael Bidner, Michael Brynntrup, Peter Oehl, Markus Ludwig u.a. M: Peter Oehl, Dirk Schäfer, Payback5, Wolfgang Müller, octet u.a. P: Kristian Petersen. D: Bridge Markland, Susanne Sachße, Hendrik Scheider, Kitty Kitsch, Ades Zabel, Bob Schneider u.a.
88 Min. GMfilms ab 19.5.05

Wie machen die das?

Von Frank Brenner Für einen schwulen Mann scheint es nichts Absonderlicheres zu geben als die Vorstellung, was zwei lesbische Frauen beim Sex miteinander machen. Schließlich fehlt mit dem männlichen Geschlechtsteil ja das wichtigste Utensil. Aber auch Lesben wissen vergleichsweise wenig von der Intimsphäre homosexueller Männer – kein Wunder, schließlich sind Männer das, was Lesben am wenigsten interessiert. Aus diesem Mißverhältnis heraus kam Kristian Petersen auf die Idee, schwule Regisseure einen Film über Lesben und lesbische Regisseurinnen einen Film über Schwule drehen zu lassen. Ein überaus interessantes Experiment, dessen Ergebnis in der Kurzfilmkompilation Fucking Different nun zu bestaunen ist.

Da Petersen keine künstlerischen Einschränkungen auferlegte und sich die Regisseure und Regisseurinnen untereinander nicht absprechen konnten, ist hier ein sehr heterogener Film entstanden. Die eingangs formulierten überspitzten Aussagen finden sich denn auch in Jörg Andreas Polzers Beitrag Der andere Planet. Schwule Männer äußern sich dazu, wie sie sich lesbischen Sex vorstellen und stellen eindrucksvoll ihr Nichtwissen und ihre Fantasielosigkeit unter Beweis. Auch in Filmen wie Geile Sau, Martina oder Pracht, die kurze Geschichten erzählen, erweist sich das Nichtwissen von der Sexualität des jeweils anderen homosexuellen Geschlechts als Bremsklotz hinsichtlich der Originalität. Man kann diesen Beiträgen jedoch nicht absprechen, daß sie teilweise geschickt mit eingefahrenen Stereotypen spielen und zumindest eine gewisse Erotik und sympathischen Witz transportieren. Generell muß man allerdings mit Erschrecken feststellen, daß die Filme der Regisseurinnen insgesamt stets etwas enttäuschender ausfallen als die der Regisseure. Sollten Schwule tatsächlich einen entspannteren, witzigeren und einfallsreicheren Inszenierungsstil haben als Lesben oder liegt es einfach an Kristian Petersens Auswahl der Filmemacher? Motorcycle in Love von Juana Dubiel und Eva Bröckerhoff ist einer der besseren Beiträge der Frauen, weil er auf freche Weise mit den Schwulenträumen eines Kenneth Anger spielt und durchweg gewollt trashig bleibt. Auch Who is Afraid of? von hollyandgolly kann überzeugen, da er mit einer gesunden Respektlosigkeit dem schwulen Pornobetrieb begegnet und daraus einige wirklich gelungene Gags schlägt. Bei den Filmen der Männer ist neben Der andere Planet vor allem der letzte zu erwähnen: Der Hammer von Peter Oehl und Markus Ludwig ist eine schrille und originelle Verballhornung von Werbeclipstereotypen, schweißnassem Bauarbeitersex und Musicalkonventionen, in dem die beiden lesbischen Protagonistinnen eine leidenschaftliche Sexszene hinlegen und dabei eine kitschig-überdrehte Gesangsnummer trällern. Wenngleich einige der Kurzfilme recht enttäuschend ausfallen, ist Fucking Different als Ganzes dennoch ein lohnendes Projekt geworden, das vielen Schwulen, Lesben und natürlich auch Heteros ein Stück weit die Augen öffnen wird. 1970-01-01 01:00
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