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Frozen Angels

D/USA 2005. R: Frauke Sandig. R,K: Eric Black. S: Silke Botsch. M: Zoe Keating, Thomas Mavers, Mark Clifford, Jörg Seibold, Max Sharam. P: Independent Television Service.
90 Min. Piffl Medien ab 27.10.05

Der Amerikaner in uns

Von Chriatian Lailach Weißes Sperma, schwarzes Sperma, gelbes Sperma, Mischlingssperma. Was darf es heute sein? Dazu ein blondes, blauäugiges, kalifornisches Ei? Ja, gebildet ist es auch; aber vor allem attraktiv. Noch eine Leihmutter mit Erfahrung? Drei Geburten, die eigenen nicht mitgerechnet – auf Station einundzwanzig warten sie bereits, die Auftraggeber: Mama und Papa. So hat Klein Hannes am Ende, oder besser gesagt: am Anfang fünf Elternteile. Er wird später bestimmt Raumfahrer.

Frozen Angels zeigt und begleitet Menschen in den freiheitsliebenden USA, die direkt oder indirekt mit derartigen Themen konfrontiert sind. Dies wird sicherlich keinen spontanen, globalen oder lokalen Sinneswandel zur Folge haben; auch wenn oder gerade weil sich noch viel unvorstellbarere Perspektiven in den Vordergrund drängen. Vielmehr macht Frozen Angels bewußt, daß Forschung und Entwicklung, verbunden mit dem nicht nur in ihnen behafteten Perfektionsidealen, Gedanken und Wünsche provozieren, die eine tatsächliche und vor allem fortwährende Auseinandersetzung mit den ethischen und moralischen Aspekten der Thematik notwendig machen. Gleichzeitig nähren sich Zweifel an zyklisch absoluten Einschränkungen respektive Aufweichungen betreffender Regeln und Normen.

Sandig und Black haben mit Frozen Angels einen Dokumentarfilm geschaffen, der zwar grundsätzlich keine neuen Fragen aufwirft, hingegen viele existierende nebeneinanderstellt. Die beiden zeichnen kein exemplarisches Zukunftsbild; stattdessen lassen sie vielerorts kategorisch verworfene Gedanken zu Ende oder zumindest weiter denken. Diese werden dabei weder beschönigt noch liquidiert, vielmehr losgelöst mit anmutig stilisierten Zwischensequenzen, welche die ausschließliche Offensichtlichkeit des Gleichklangs nachhaltig vermitteln. Genau hier bildet sich letztlich die notwendige Nahtstelle mit der eigenen Konfrontation.

Übrigens, heute kam ein Brief von der Klinik. Sie wollen wissen, was sie mit den restlichen Embryonen machen sollen. Wenn wir uns nicht entscheiden, werden sie täglich einen auftauen… Bill scherzte, oder? 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #40.
© 2012, Schnitt Online

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