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From Hell

USA/CZ 2001. R: Albert Hughes, Allen Hughes. B: Terry Hayes, Rafael Yglesias. K: Peter Deming. S: George Bowers, Dan Lebenthal. M: Trevor Jones. P: 20th Century Fox. D: Johnny Depp, Heather Graham, Ian Holm.
121 Min, Fox ab 28.2.02
Von Jenny Zylka So hübsch geht es los: Johnny Depps Lippen nuckeln an einer Opiumpfeife. Dann der Londoner Whitechapel District, in den 80ern des 19. Jahrhunderts, voller hustender Huren, schmatzender Penner, rülpsender Alkoholiker und schmuddeliger Laudanumjunkies. Und dann?

Dann ist ziemlich schnell klar, daß Johnny Depp sein dreieckiges Engelsgesicht nicht wirklich beschmutzen will. Nur oben, um die umflorten Augen herum etwas grauen Lidschatten, ansonsten gibt er den tadellosen Polizeibeamten mit der kleinen Schwäche fürs Opium, für den Absinth mit Laudanum, selbstverständlich allein, weil's der Wahrheitsfindung dient. Er muß schließlich den Ripper finden, damit der nicht weiterhin bestialisch die Huren dezimiert. Und das kann Depp nur auf Trip. Da hat er einfach die schönsten Eingebungen.

Genauso enttäuschend in ihrer strahlenden, unpassenden Reinheit ist Heather Graham, die rothaarige Hurenelfe mit dem goldenen Herzen, das sie alsbald an Johnny verschenkt. Und ihn damit aus seiner selbstgewählten Isolation holt, denn nicht allein die Polizeiarbeit treibt ihn zu den Drogen, auch der Tod seiner Frau, womit wir mal wieder eine feine Entschuldigung hätten.

London ist papiern, in dem Film der Hughes-Brüder über den mysteriösesten Serienmörder von allen. Und trotzdem dieser durch seine Taten eine schön verworrene Geschichte ins Rollen bringt, mit freimaurerartigen Logen, in denen bekloppte Ex-Chirurgen einem merkwürdigen Organentnahmewahn verfallen, eine Story, in der immer wieder Hallu-Bilder aufpoppen wie Fratzen in einer Geisterbahn, ist das ganze ungefähr so schmutzig wie eine Nonne, die mal an einer Kim-Slimline-Zigarette pafft. Und so spannend wie ein durchschnittlicher ZDF-Krimi.

Vielleicht liegt es an der Grausigkeit des tatsächlichen Killers, der nie gefaßt wurde, vielleicht an der Angst Depps und Grahams, auf einem Film-Still einmal nicht ganz so zum Anbeißen auszusehen. Der Film gruselt nicht. Er rockt nicht. Er zuckt ab und an ein wenig in Richtung schöne-alte-fin-de-siècle-Postkarte, gepaart mit Rummelplatz in Hollywood. Und kann höchstens ein paar genügsame Depp-Fans glücklich machen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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