— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Ein Freund zum Verlieben

The Next Best Thing. USA 2000. R: John Schlesinger. B: Tom Ropelewski. K: Elliot Davis. S: Peter Honess. M,D: Madonna. M: Gabriel Yared. P: Lakeshore, Paramount. D: Rupert Everett, Benjamin Bratt, Michael Vartan, Josef Sommer, Lynn Redgrave, Malcolm Stumpf, Neil Patrick Harris, Illeana Douglas u.a.
Concorde ab 10.8.00

Cocktail-Kino

Von Manuela Brunner Entsetzt und in höchstem Maße angewidert war ich, als ich zum ersten Mal vor Monaten Madonnas Version von »American Pie« im Radio hörte, eine Entwürdigung des alten Don McLean-Klassikers, dachte ich. Doch dieser Song ist von der Sorte, die überlistet, die sich einschleicht, zum Ohrwurm wird. So ähnlich wie mit dem Lied ist das auch mit dem Film. Voller Skepsis sah ich einer dieser Wer-kriegt-das-niedliche-Kind-Schmonzetten entgegen, die vor Zuckersüßigkeit nur so triefen – der letzte Magenverderber dieser Art, Big Daddy, ist noch gar nicht so lange her.

Doch wie der Soundtrack mit Manu Chaos Gute-Laune-Song »Bongo Bong« für sich einnimmt, so stimmt der Film zuerst einmal milde mit einem spielfreudigen Rupert Everett, der zwar die Darstellung von Schwulen im Hollywood-Kino nicht in revolutionär neue Gegenden vorantreibt, der aber zumindest das zeitgemäße Bild eines Schwulen zeichnet. Er scheut sich nicht vor Tuntigkeit, die aber hier netterweise nicht ihn, sondern Madonnas Hetero-Exfreund lächerlich macht. Auch das Thema Aids und das Problem der Nichtanerkennung durch die Gesellschaft werden gestreift, nicht gefühllos, sondern eben einfach nicht unangenehm ausgewalzt. Es berührt, wie die Freunde am Grab eines an Aids Gestorbenen zu seinen Ehren und gegen den Willen der spießbürgerlichen Familie »American Pie« anstimmen.

Doch geschickt findet John Schlesinger dann ohne Bruch in seinen leichten Ton zurück und erzählt uns die eigentliche Geschichte: Wie Madonna und ihr schwuler bester Freund Everett nach einem Martini-Gelage miteinander im Bett landen, wie sie hinterher ein Kind bekommt und die drei eine glückliche Familie werden, bis Madonna »Mr Right« Michael Vartan kennenlernt und das kleine Idyll zu zerbrechen droht.

Die erwartete Portion Melodrama und Kitsch inklusive Gerichtsverhandlung um das Sorgerecht bleiben da nicht aus, doch verschont uns John Schlesinger dankenswerterweise mit der Kind-im-Zeugenstand-Szene, legt stattdessen das Gewicht auf Everetts Schwierigkeiten vor Gericht, als unverheirateter Schwuler das Sorgerecht zu erstreiten. In die Tiefe geht auch dies nicht, alles endet mit Hilfe eines klassischen Deus ex machina versöhnlich – eine echte Freundschaft trennt im Hollywoodkino eben nur der Tod.

Die Leichtigkeit des Films behält immer die Oberhand über die Kitschigkeit, und nicht zuletzt sind da ja noch die sonnendurchfluteten Bilder von L.A., sowie die mitreißend montierte und mit eleganten Doppelbelichtungen arbeitende Sequenz, die dem folgenreichen One-Night-Stand vorausgeht. Ein Freund zum Verlieben ist Sommercocktail-Kino, bestens geeignet als Aperitif für eine laue Sommernacht im Straßencafé mit Frozen Daiquiris. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap