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Freedom Writers

USA 2006. R,B: Richard LaGravenese. K: Jim Denault. S: David Moritz. M: Mark Isham, The RZA. P: Paramount. D: Hilary Swank, Patrick Dempsey, Scott Glenn, Imelda Staunton u.a.
123 Min. Universal ab 5.4.07

Gute Minen…

Von Christian Lailach Wenn du die Handlung dieses Films erführest, würdest du sicher die nächste Zeit einen großen Bogen um all die großen Filmtheater machen. Ließe ich all die Feinheiten hier außen vor, müßte ich fürchten, daß du frühzeitig den Saal wieder verläßt. Es ist das klassisch zweischneidige Schwert, Freedom Writers eine scheinbar kleine, deshalb beinahe sehenswerte Hollywood-Produktion. Sofern du dich auf den Film einläßt und die Erwartungen eher niedrig ansetzt, verliert er nach und nach seine erwartbare Struktur und offenbart in Details einige untypische Momente.

Doch es bleibt eine Problematik: die wahre Geschichte. Wahre Geschichten sind meist, aufs Neue erzählt, gähnend langweilig und lassen sich daher nur allzu schwer in einen all die Attribute erfüllenden Film fassen. Eine Dokumentation wäre da sicher galanter, aber was tun, wenn die Geschichte bereits Geschichte ist? Mit den nötigen kleinen Freiheiten in der Handlung, die ein Spielfilm fordert, läuft die Glaubwürdigkeit meist schlagartig gen Null. Erzählt der Film zuguterletzt all das Erzählenswerte mehr der Aufklärung denn der Geschichte selbst wegen, wird es langsam immer später. Die Wahrheit erzwingt dann nur noch einen kurzen, ernsthaften Moment in der Reflexion. In diesem Fall verhelfen weder ein taktisch kluger Mix aus bekannten und neuen Gesichtern, noch MTV auf der Liste der Produktionsfirmen dem Film zur Großartigkeit.

Aber nun siehst du das vielleicht vollkommen falsch, und es bedarf in unserer globalisierten, teils immer noch in Ausnahmezuständen befindlichen Welt einer Aufklärung wie dieser. Von US-Amerikanern hat man mancherlei Klischees. Wer gar in ahnungslosen Winkeln noch nicht weiß, daß gut 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland keine Konzentrationslager mehr betrieben werden, der birgt insofern Interesse – oder vielmehr: Bildungsanlaß – in sich, als daß er nicht die Lehrerin braucht, die ihre schwierigen Ghettokids mit Anne Frank zum Tagebuchschreiben bewegt und ihnen damit einen Weg von der gewalttätigen zu einer ihnen bisher unbekannten Art der zwischenmenschlichen Kommunikation ebnet.

Jetzt habe ich ihn doch verraten, den Rahmen der Geschichte. Ihm sei dann noch hinzugefügt, daß Miss G. sich dem Rat ihrer Lehrerkollegen widersetzt, die schicke Perlenkette weiterhin trägt und trotzdem nicht von ihren Schützlingen überfallen und ausgeraubt wird. Zudem wartet eine grandiose Imelda Staunton in einer Lehrerkollegennebenrolle. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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