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Frau fährt, Mann schläft

D 2003. R,B: Rudolf Thome. K: Michael Wiesweg. S: Dörte Völz. M: Katia Tschemberdji. P: Moana Film. D: Hannelore Elsner, Karl Kranzkowski, Markus Perschmann, Kathleen Fiedler u.a.
122 Min. Academy Films ab 18.11.04

Zeitreisen: Die Gegenwart

Von Frank Brenner Mit dem zweiten Beitrag seiner Zeitreisen-Trilogie hat Rudolf Thome nach Rot und blau nun die komplexen Beziehungsstrukturen innerhalb einer bürgerlichen Großfamilie ausgelotet. In der ersten Sequenz bereitet sich die sechsköpfige Familie auf den Auftritt in einer Fernsehtalkshow und auf den tags darauf stattfindenden Umzug in die größere Wohnung gleichermaßen vor. In der Talkshow werden sie präsentiert als die »glücklichste Familie Deutschlands«, weil eine der Töchter in einer e-Mail an den Sender eben diesen Vorschlag unterbreitet hatte. Doch schnell wird klar, daß dieses Prädikat bei weitem nicht gerechtfertigt ist. Der Vater, Philosophieprofessor in Berlin, unterhält ein Verhältnis mit einer seiner Studentinnen, die ein Kind von ihm erwartet, und auch die Mutter, eine erfolgreiche Zahnärztin, trifft sich unter scheinheiligen Vorwänden mit ihrem Liebhaber, für den sie sogar in Erwägung zieht, ihre Familie zu verlassen.

Schon der Titel Frau fährt, Mann schläft läßt erahnen, daß es sich auch bei Rudolf Thomes neuestem Film keineswegs um leichte Kost handelt und man sich auf seinen Film einlassen muß. In ruhigem Erzählstil pendelt das Werk zwischen Mediensatire, Charakterdrama und kitschigem Melodram, hält immer wieder überraschende Wechsel im Inszenierungsstil bereit, wird auffallend direkt und unverblümt, wenn man es am wenigsten erwartet und fängt sich nicht selten im letzten Augenblick, bevor ein Absturz in die Trivialität droht. Mit Hannelore Elsner hat Thome die zentrale Figur einmal mehr mit einer der wandlungsfähigsten und ausdrucksstärksten Schauspielerinnen ihrer Generation besetzt, die zusammen mit ihrem Co-Star Karl Kranzkowski und einigen Nebenrollendarstellern wie Hanns Zischler den Film schauspielerisch adelt. Die meisten Darsteller der Kinderrollen, von denen Thome für zwei mal wieder seine eigenen Sprößlinge besetzte, sind jedoch hoffnungslos untalentiert und darüber hinaus schlecht geführt. Die Diskrepanz macht sich natürlich im Vergleich mit den namhaften Schauspielgrößen um so deutlicher bemerkbar und ist bei einem dermaßen dialoglastigen Film auch nicht ohne weiteres unter den Tisch zu kehren. Hier fehlt dem Vater offensichtlich die kritische Distanz, was seinem Film mehr schadet als dem Regisseur recht sein dürfte. Immerhin wagt Thome es nach wie vor, Geschichten ins Kino zu bringen, die gegen den Strich gebürstet sind und sich von den Filmen für ein Massenpublikum in Stil und Aussage erheblich unterscheiden. 1970-01-01 01:00
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