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Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte

D 2002. R,B: Andreas Rogenhagen. K: Andreas Höfer. S: Guido Krajewski. M: Ingo Kraus. P: Lichtblick. D: Robert Glatzeder, Dieter Pfaff, Lilia Lehner, Steffen Schult, Nina Petri, Heinrich Giskes u.a.
89 Min. Venusfilm ab 15.8.02
Von Thomas Waitz Der Kreis Warendorf war bislang nicht für filmische Überpräsenz bekannt. In Andi Rogenhagens Langfilmdebüt geben die Münsterländer Parklandschaft und seine knorrigen Bewohner jedoch den äußerst dankbaren Schauplatz einer im Grunde unspektakulären, aber sympathisch erzählten Geschichte ab.

Wieder einmal läuft alles auf die alte Erkenntnis hinaus, daß, wer es partout nicht einzusehen vermag, zu seinem Glück eben gezwungen werden muß. Und sei es, indem man ihn in einen Hundezwinger steckt und solange einen Arztroman auswendig lernen läßt, bis ihm die Lust auf das bisher gepflegte Studentenlotterleben mit inkludierten Drogenexzessen so richtig leidig geworden ist.

»Das ist so!«, brummt ein ums andere Mal Papa Willi, und Dieter Pfaff spielt ihn, wie man es von ihm gewohnt ist: mit physischer Präsenz, in einer oft unbeholfen wirkenden, rauhen Art, an der eine innere Verletzbarkeit spürbar wird. In weiche Sepiatöne taucht Kameramann Andreas Höfer die gepflegte Kulisse, die dadurch – ganz dem narrativen Kanon entsprechend – in spannungsreichem Kontrast steht zur abgründigen, lasterhaften Großstadt (sehr schmeichelhaft für Dortmund).

In erster Linie lebt der Film jedoch von seinen guten Schauspielern – etwa Steffen Schult, der als Psychopath brilliert, auch wenn das überdeutliche Drehbuch seiner Figurenzeichnung gegen Ende alles Doppelbödige, Angedeutete nimmt.

Eine wirkliche Glanzleistung liefert indes einer der meistbeschäftigten (und gleichwohl völlig unterschätzten) Nebendarsteller überhaupt ab: Heinrich Giskes. Bei Rogenhagen gibt er auf seine unvergleichliche, hingerotzte Art einen naßforschen, blasierten Hausmeister, der für seine Großschnäutzigkeit gleich mehrfach einstecken muß. Giskes beweist hier einmal mehr seine filmische Klasse. Seine Darstellung alleine lohnt den Besuch des Films. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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