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Frau2 sucht HappyEnd

D 2000. R,B: Edward Berger. K: Gero Steffen. S: Sabine Krayenbühl. M: Enrico Fabio Cortese. P: box! u.a. D: Ben Becker, Isabella Parkinson, Nele Müller-Stöfen, Stefan Kurt, Michael Gwisdek, Sabrina Setlur u.a.
96 Min. Tobis ab 11.1.01
Von Oliver Baumgarten Inhaltlich mag der Titel perfekt zum Film passen. Die Lust, ihn zu sehen allerdings, vergeht einem, sobald der Titel einmal ausgesprochen ist. Das ist als Voraussetzung für die Kinokasse schon mal – ausgesprochen – ungünstig. Zu nah liegt in diesen drei seltsamen Worten die Konnotation zu allen erbärmlichen deutschen Versuchen, sich auf lustige Art dem Beziehungskomplex zu nähern. Der Film selbst mit all seinen Mitwirkenden hingegen bemüht sich nach Kräften, genau dieser Schublade aus dem Wege zu gehen.

Komisch ist das nicht. Weltschmerz herrscht vor, einer der bittersten Sorte. Einer, der vorgibt, ewiger Zustand zu sein. Ohne Hoffnung. Dabei zeigt die erste Einstellung ein Kino, und schon da sollte jeder wissen, daß alles gut wird. Denn nur im Kino wird am Ende wirklich alles gut, findet jeder Topf seinen Deckel und jede Geschichte ihr Ende. Und vielleicht ist auch das schon das Problem des Films. Er will Leben sein und ist selbst verursacht am Ende eben doch Popcorn-Fiktion.

Ben Becker pflegt seinen Weltschmerz als Gregor / HappyEnd wie im Bilderbuch mit Alkohol, Zigaretten und melancholischen Klängen. Seine Traumfrau hat ihn verlassen, und nichts kann ihn trösten, auch der Email-Kontakt zur verträumten Frau2 nicht. Doch der Film endet, wo er begonnen hat: im Kino, wo jeder Topf seinen Deckel und jede Geschichte ihr Ende findet. Kalt sind die Bilder, in Neon getaucht und voll des Pathos', das tiefes Selbstmitleid zu begleiten pflegt.

In diesen Szenen gelingt Edward Berger mit Gero Steffen eine treffliche Atmosphäre, die Ben Becker mit sonorem Trauerflor in der Stimme ergänzt. Doch irgendwann treten die Bilder auf der Stelle und verlieren die Oberhand über die dünne Story. Die Fassade beginnt zu bröckeln und gibt frei, was sie zu verdecken suchte: nichts. Und das ist selbst für eine Liebesgeschichte zu wenig. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
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