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Francis Bacon – Form und Exzess

Bacon's Arena. GB 2005. R: Adam Low. K: Mark Molesworth. S: Sean Mackenzie. M: Brian Eno. P: BBC.
95 Minuten. Salzgeber ab 5.7.07

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Von Tamar Noort Kino ist einfach kein Fernsehen. So ambitioniert ein Fernsehfilm auch sein mag, im Kino gelten andere Gesetze. Ein Dokumentarfilm, der über reine Informationsvermittlung nicht hinausgeht, ist prima im Fernsehen aufgehoben, aber hat auf einer großen Leinwand nichts verloren. Francis Bacon – Form und Exzess, von der BBC produziert, ist ein solcher Film. Wie der Originaltitel Bacon's Arena und die ambitionierte Eröffnungssequenz vermuten lassen, will der Film sich mit dem Kämpfer Francis Bacon auseinandersetzen. Mit dem Maler, dessen Leinwände den Betrachter angreifen, mit den feixenden Figuren, Monstern mit scharfen Zähnen und blutigen Innereien. Leider nähert sich der Film seinem Thema jedoch dann ausschließlich biographisch – und reiht chronologisch die Lebensstationen des Künstlers aneinander. Am Ende des Films wissen wir, wer seine Schwester ist, wie das Krankenzimmer aussieht, in dem er gestorben ist, und minutiös aufgeteilt nach Jahrzehnten haben wir seine Lebensgefährten kennengelernt. Ins Bild gesetzt wird der Lebenslauf mit einer bunten Mischung aus Archivmaterial, Interviewschnipseln, in denen Bacon selbst zu Wort kommt, und neugedrehten Interviews mit Zeitzeugen, Menschen, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Künstler berichten. Die Zusammenstellung des Materials wirkt zeitweise wahllos, manche Bilder erscheinen fast als Lückenfüller. Die Bilder illustrieren lediglich den Text, die Geschichte des Mannes, für den wir uns aber ausschließlich aufgrund seiner Bilder interessieren. Auf eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Malerei Bacons wartet der Zuschauer indes vergeblich. Das Leben des Malers, und so turbulent war es übrigens nicht, ist der einzige rote Faden, den der Film verfolgt. Was ihn getrieben hat, welches Innerstes auf der Leinwand nach außen kam – der Film wagt noch nicht mal eine These. Und das ist fürs Kino einfach zu wenig. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #47.
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