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Forrester – Gefunden!

Finding Forrester. USA/GB 2000. R: Gus Van Sant. B: Mike Rich. K: Harris Savides. S: Valdis Oskarsdóttir. M: Bill Brown. P: Columbia, Fountainbridge u.a. D: Sean Connery, Robert Brown, F. Murray Abraham, Anna Paquin, Busta Rhymes u.a.
136 Min. Columbia ab 1.3.01

Schwaches Buch über Bücher

Von Carsten Tritt Jamal Wallace, der junge Held aus Forrester – Gefunden!, stammt aus der Bronx, und das ist eine gute Sache – zwar weniger für ihn, aber zumindest für Harris Savides, der den Film mit einigen hervorragenden Aufnahmen der lokalen Architektur eröffnet. Savides schafft es, die anonymisierende urbane Bebauung einzufangen und so in wenigen Bildern eine Vorstellung der Zusammenhänge von Zoning und Bevölkerungsentwicklung zu schaffen.

Bedauerlicherweise ist Forrester – Gefunden! dennoch kein Film über Städteplanung, und wenn Gus Van Sant glaubt, das Milieu sei zur Genüge beschrieben und er nun seinem Kameramann Menschen statt Häuser zu filmen gibt, ist das leider weniger gelungen. Forrester – Gefunden! handelt von nun an von Literatur, und der Schotte William Forrester (d.i. Connery) hat den wichtigsten Roman des 20. Jahrhunderts geschrieben. Jamal Wallace (Brown) ist sein 16jähriger Schüler, und er wird sicher den wichtigsten Roman des 21. Jahrhunderts schreiben – wenn dies nicht der fiese Professor Crawford (Abraham) noch verhindern wird.

Ganz schön hochtrabend kommt Van Sants neuestes Werk daher, und Connery darf sich viel und oft dazu äußern, wie man gute Literatur erschafft. Was dann auch das Problem des Films ist, denn dieser selbst ist gerade nicht das Kunstwerk von der Größe, nach der die Protagonisten unaufhaltsam streben. Mike Rich hat zwar das Drehbuch fabriziert, scheint aber keine Ahnung von der Freigeistigkeit zu haben, die seine Charaktere auf der Leinwand propagieren: Sonst hätte er auf die vor allem gegen Ende des Films in trauriger Häufigkeit auftretenden Handlungselemente aus dem Drehbuchbaukasten verzichten können.

Forrester – Gefunden! ist trotzdem nicht wirklich schlecht. So vermag Bill Brown auf der Tonspur einige Akzente zu setzen, etwa eine wirklich gelungene Instrumental-Version von »Somewhere Over the Rainbow« zur Filmmitte, auch haben die Ausstatter (Carolyn Loucks, Susan Tyson) die Gelegenheit genutzt, sich in der Filmwohnung der Titelfigur herzlichst auszutoben. Dennoch ist das Drehbuch zu schwach, diesen Film zu tragen, Van Sant zu schwach, die Mängel des Skripts zu überspielen. Selbst der große Connery wirkt erschreckend farblos, wohl bedauernd, daß er in diesem Film niemanden erschießen darf.

Forrester – Gefunden! ist ein überflüssiger Film, zumal demnächst Billy Elliot auf Video erscheinen dürfte. Dort wird eine ähnliche Geschichte auf wesentlich gelungenere Weise erzählt. Durch die wunderbare Bildsprache von Stephen Daldry sollte sogar auf einem Fernsehbildschirm eine Wirkung entstehen, an deren Intensivität Van Sant sich selbst in glamourösem Cinemascope nicht annähert. 1970-01-01 01:00
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