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Following

GB 1998. R,B,K,S: Christopher Nolan. S: Gareth Heal. M: David Julyan. P: Next Wave. D: Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell u.a.
69 Min. Flax Film ab 17.2.05

Realität und Inszenierung

Von Cornelis Hähnel Die französische Künstlerin Sophie Calle begann 1979 unbemerkt, fremde Menschen zu verfolgen und alles zu dokumentierten. Für ihr Projekt »Shadow« ließ sie sich selbst von einem Privatdetektiv beschatten, zusätzlich fotographierte wiederum ein Freund den Detektiv bei seiner Arbeit. Die Grenzen zwischen Beobachter und Beobachtetem, Verfolger und Verfolgtem verschwammen, das Objekt war nicht mehr eindeutig. In Christopher Nolans Following heftet sich der arbeitslose Schriftsteller Bill mit der Selbstlegitimation der Charakterstudie an die Fersen ihm unbekannter Menschen. Der smarte Einbrecher Cobb bemerkt die Beschattung, stellt ihn zur Rede. Bill beginnt ihn bei seinen Einbrüchen zu begleiten, bei denen nicht die Beute, sondern die Bloßlegung der Privatsphäre im Vordergrund steht. Als sich Bill in eine geheimnisvolle Blonde verliebt, beginnen die Strukturen zu verschwinden, und die Kontrolle über sein Leben scheint ihm entzogen.

Über ein Jahr hat Nolan jedes Wochenende an seinem Debütfilm gedreht. In schwarz-weißer 16mm-Ästhetik, elliptisch strukturiert, entwickelt sich das scheinbar harmlose »Schatten-Spiel« zu einem meisterhaften Film noir, dessen intelligenter Plot sich trotz aller Komplexität in der Kürze des Film voll entfalten kann, ohne jemals gestaucht zu wirken. Ähnlich wie im Œuvre Sophie Calles steht die Frage nach Identität hier ebenso im Vordergrund wie die Rhetorik der Überwachung. Inwieweit ist ein fremder Blick der Beweis für die eigene Existenz? Welche Macht hat man über das Objekt durch das Eindringen in den persönlichen Lebensraum? Inwieweit wird das Selbstbildnis durch das Beobachten bestätigt? Nolan spielt mit dem Wechsel zwischen Beobachten und Beobachtetwerden, zwischen Realität und Inszenierung, Täter und Opfer. Die Unkontrollierbarkeit des eigenen Lebens wird ebenso thematisiert wie der Wunsch nach Bestätigung der Identität. Und daß ein menschlicher Körper noch lange kein Beweis für dessen Existenz ist. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

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