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Fluch der Karibik 2

Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest. USA 2006. R: Gore Verbinski. B: Ted Elliott, Terry Rossio. K: Dariusz Wolski. S: Craig Wood, Stephen Rivkin. M: Hans Zimmer. P: Jerry Bruckheimer Films. D: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Stellan Skarsgård u.a.
99 Min. Buena Vista ab 27.7.06

LeChucks Revenge

Von Daniel Bickermann Die Eingeweihten haben es schon in der ersten Szene des ersten Films gemerkt, als Orlando Bloom (ohnehin ein unterschätzter Komiker) irgendwie tapsig und ungelenk in der Prunkvilla eines reichen Karibik-Gouverneurs herumstand und als erste Handlung gleich mal einen Kleiderhaken abriß, den er dann hinter seinem Rücken versteckte. Wer da nicht sofort an Guybrush Threepwood dachte, der hatte in seiner Kindheit zwar mehr Sonne, dafür aber weniger Spaß. Denn eigentlich war Pirates of the Caribbean weniger die Verfilmung einer Themenpark-Attraktion von Disneyworld als vielmehr eine heimliche Leinwandversion des ewigen Adventure-Klassikers »Monkey Island«.

Schon der erste Teil schöpfte kräftig aus dem Motiv-Pool dieser Videospielserie (Kneipenschlägereien, tanzende Skelette, Gefängnisausbruch mit Hilfe des Wachhundes), und Teil zwei steht dem in nichts nach: Die Voodoo-Hütte mitsamt durchgeknallter Hexe im Sumpf treibt dem eingeweihten Zuschauer ebenso die Tränen der Melancholie in die Augen wie die Fechtduelle, die weniger mit Kampfkunst als vielmehr mit beleidigenden Sprüchen gewonnen werden. Dazu die typische Karibikmusik mit Marimbas und Steeldrums, und dann gibt es da natürlich noch die Rückkehr des ewig verfluchten Piratenkapitäns LeChuck, auch wenn der hier etwas anders heißt…

Auch sonst hat man für Teil 2 kaum etwas verändert: »Menschen, Tiere, Sensationen« lautet weiterhin das Prinzip. Brasilianer, Engländer, Chinesen und Kannibalen mischen sich mit Hühnern, Affen, Hunden und Ziegen zu einem bunten, charmanten Brei. Die Kampfszenen sind rasant, der Slapstick ist frisch und gelungen, und einige emotionale Momente (wie die visuell überwältigende Eröffnungssequenz in den verregneten Ruinen einer geplatzten Hochzeitsfeier) zeigen, daß Gore Verbinski durchaus verstanden hat, daß für jede Achterbahnfahrt die ruhigen Momente ebenso wichtig sind wie die johlenden Loopings.

Allerdings herrscht auch ein etwas schaler Geschmack bei diesem zweiten Aufguß. Dies läßt sich zum einen mit der mangelnden Überraschung erklären – beim ersten Teil war das Stolpern und Lallen von Johnny Depp noch Sensation, inzwischen gehört es längst zur Routine. Zum anderen ist dies ein Film von stolzen zweieinhalb Stunden Länge, der durchaus schleppende Passagen hat und zudem, ganz den Gesetzen des Marktes gehorchend, statt einem Ende nur einen Cliffhanger zum dritten Film bieten kann. Die internationale Kritik nahm das zum Anlaß, um sich doch tatsächlich darüber zu echauffieren, daß diese Fortsetzung wenig Plot und kaum Spannung zu bieten hätte – als ob irgendwer beim ersten Teil das ganze Fluch/doch kein Fluch-Gebrabbel verstanden hätte und tatsächlich um das Überleben der charmanten Hauptcharaktere gebangt hätte. Nein, so eine Art Film ist das nicht und will es auch nicht sein.

Aber was soll's? Am wahrhaft traumatischen Ende von »Monkey Island 2« stellte sich heraus, daß alles nur ein Kinderspiel auf einem Jahrmarkt war. Na und? Hatte man deswegen weniger Spaß? Auch Pirates 2 entpuppt sich letztlich als wenig mehr als das Phantasieprodukt ein paar kindischer Jungs, die in den bombastischen Kulissen des Hollywood-Jahrmarkts ihre eigene kleine Geschichte erfinden. Aber als Ausgangspunkt für ein bißchen Sommerspaß ist das ja manchmal sehr vielversprechend. 1970-01-01 01:00
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