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Fluch der Karibik

Pirates of the Carribean: The Curse of the Black Pearl. USA 2003. R: Gore Verbinski. B: Ted Elliott, Terry Rossio. K: Dariusz Wolski. S: Craig Wood, Stephen Rivkin, Arthur Schmidt. M: Klaus Badelt. P: Walt Disney Pictures, Bruckheimer Prod. D: Johnny Depp, Orlando Bloom, Geoffrey Rush, Keira Knightley u.a.
143 Min. Buena Vista ab 2.9.03

Depp auf Deck

Von Daniel von Rosenberg Diese grazilen Bewegungen beim Fechten, die hautengen, feinen Stoffe, die sich über bronzefarbenen Muskeln spannen und die handtellergroßen, goldenen Kreolen, die keck am Ohrläppchen baumeln. Haben wir es nicht schon seit Jahrzehnten geahnt? Errol Flynns lasziver Piratenblick rüber zum ersten Steuermann, diese Vertrautheit zwischen Tyrone Power und dem Rest seiner testosteronausdünstenden Freibeutercrew…

Vielleicht war gerade diese, dem Kinopublikum vertraute, latente Homoerotik und Eleganz der Piratenfilm-Klassiker letztlich der Grund dafür, daß die jüngeren Versuche, dem Genre wieder Leben einzuhauchen, unter kommerziellen Gesichtspunkten mißlangen.

Wer, außer eingefleischten Polanski-Fans, wollte schon Mitte der 80er Jahre Hetero-Grummelbär Walther Matthau in Piraten mit versifftem Rauschebart und verranztem Wams sehen? Oder gar die langbeinige Geena Davis als Die Piratenbraut im gleichnamigen 95er-Flop ihres damaligen Ehemannes Renny Harlin? Das Seeräuber-Genre ging über die Planke, sank auf den Meeresgrund wie eine ihr Ziel verfehlende Kanonenkugel und geriet fast zehn Jahre in Vergessenheit.

Bis die Köpfe der Disney-Studios auf der Suche nach neuen Geschichten die dreist-geniale und zunächst sehr sonderbar anmutende Idee gebaren, Pirates of the Carribean, eine der Hauptattraktionen des konzerneigenen Disneyworld-Imperiums, zur Grundlage eines Hollywood-Films zu machen.

Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer engagierte Johnny Depp, der seinen stets unter Marihuana-Einfluß stehenden Looser-Halunken Jack Sparrow als geniales Konglomerat seiner bisherigen Hauptrollen-Highlights anlegt. So trifft in Fluch der Karibik die affektierte, selbstverliebte Tuntigkeit des Angorapulli-Liebhabers Ed Wood auf die feurige Glutäugigkeit des Herzensbrechers Don Juan de Marco, und in einigen wenigen Momenten verspürt man selbst die Melancholie eines Edward mit den Scherenhänden.

Es macht Spaß, diesen Film anzuschauen – soviel ist klar – auch wenn er bei genauerer Betrachtung natürlich nichts weiter ist, als ein teurer, nach Salzwasser, Rum und Schwarzpulver riechender Seeräuberklamauk mit den üblichen Fechtduellen, Explosionen und einigen ansehnlichen »Vollmond-Spezialeffekten«.

Doch Johnny Depp spielt voller leidenschaftlicher Selbstironie und beweist einmal mehr, daß er den Spagat zwischen Kunst und Kommerz meisterlich beherrscht. Vor allem aber steht er auch zu seiner weichen Seite und ist damit ein moderner Korsar kurz vor dem Coming-Out. Abgerundet wird dieses, für Disney-Verhältnisse ungewöhnlich gewalttätige Leinwand-Spektakel durch kurze, aber prägnante Auftritte der Charaktermimen Geoffrey Rush und Jonathan Pryce, sowie den fulminanten Soundtrack von Klaus Badelt. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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