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Flirting with Disaster

USA 1996. R,B: David O. Russell. K: Eric Edwards. S: Christopher Tellefsen. M: Stephen Endelman. D: Ben Stiller, Patricia Arquette, Téa Leoni, Mary Tyler Moore, George Segal, Alan Alda, Lily Tomlin, Richard Jenkins u.a.
88 Min. Kinowelt ab 18.7.96
Von Daniel Hermsdorf Fluchtversuch – Mel Coplin weiß mit seiner Frau Nancy in ihrer neuen Rolle als Mutter nicht umzugehen und widmet sich der persönlichen Geschichtsaufarbeitung: Seine leiblichen Eltern will er finden. Bei der Suche geraten die Eheleute – ergänzt um ein schwules Polizistenpärchen und eine Soziologiestudentin – selten an die richtige Adresse. Die Verknotungen im Beziehungsgeflecht des reisenden Quintetts nehmen überhand, als die fünf Desaströsen schließlich auf Coplins Eltern treffen. Letztere leben in New Mexico mit einem benebelten Chaoten, ihrem jüngeren Sohn, und schlagen sich (drogengesetzlich) unkoscher durch's Leben.

Nah am Leben sein heißt die Devise von Flirting with Disaster, und das so lange, bis »reality bites« (gleichnamiger Film stammt von Hauptdarsteller Ben Stiller). Selten mag die Kamera verweilen, verwackelt und verirrt sich, und der Schnitt schickt den Blick flugs in den Gegenschuß oder rafft fast unmerklich. Kameramann und Cutter hetzten bereits Larry Clarks Kids (1995) nach und zeigen nun die zwei nächstälteren Generationen auf dem schlechten (und in diesem Falle komischen) Trip, der mit Vergangenheit anfängt und mit einer Art Bewältigung aufhört. Zur Alternative steht, um in Filmbildern zu sprechen, Ronald Reagan als patriotisches Gemälde oder als Aufdruck von LSD-Papier. In dieser Mixtur bleiben weder Persönlichkeitsbilder fest umrissen noch Ideale undemoliert: Der Film flirtet in Form des cinéma vérité mit einem Amerika, das versucht, die Beziehungskisten und Drogenlabors seiner jüngeren Vergangenheit einer satirischen Inspektion zu unterziehen.

Die Filmfestspiele in Cannes reichten zum Schluß das »Disaster« als Dessert – man labt sich nicht nur einmal. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #03.
© 2012, Schnitt Online

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