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Flight Girls

View From the Top. USA 2003. R: Bruno Baretto. B: Eric Wald. K: Affonso Beato. S: Ray Hubley, Christopher Greenbury, Charles Ireland. M: Theodore Shapiro. P: Bad Grey Pictures, Cohen Pictures. D: Gwyneth Paltrow, Mike Myers, Christina Applegate, Rob Lowe, Candice Bergen u.a.
87 Min. Tobis ab 11.9.03

Unterirdisch über den Wolken

Von Daniel Bickermann So, ihr Mädchen vom Lande, hier seht ihr, wie's gemacht wird. Ihr lest eine alberne Autobiographie der erfolgreichsten Stewardeß aller Zeiten und merkt euch daraus jede Menge kleiner Motivationssprüche, die ihr daraufhin in jedem passenden oder unpassenden Moment ausspuckt. Dann schreibt ihr euch für eine Ausbildung als Flugbegleiterin ein und übt mit euren großbusigen Freundinnen tagelang, wie man debil grinst, wie man möglichst affektiert mit Stöckelschuhen läuft und wie man sich die Haare an die Zimmerdecke hochfrisiert. Und das Klauen müßt ihr euch auch abgewöhnen, das ist nicht gern gesehen. Und schon seid ihr Stewardeß!

Das mag einfach klingen, aber eure besten Freundinnen werden tragisch an diesen Ausbildungshürden scheitern. Aber da ihr ja ehrgeizig und hochbegabt seid und außerdem super ausseht, ist schon bald euer Lebenstraum erfüllt und ihr dürft in zehntausend Meter Höhe einigen nervigen Franzosen ihr aufgewärmtes Essen hinstellen. Ist das nicht wunderbar? Ach ja, und wenn euch zwischendurch euer Traummann begegnet – nehmt es nicht so ernst. Ihr könnt ihn ruhig ein paar mal unmotiviert stehen lassen und mit ihm Schluß machen, am Ende wird er doch auf euch warten in seinem roten Familienpulli und seiner Anwaltskarriere, und dann wird euer Leben ganz toll sein.

Nun, was läuft hier alles schief? Beginnen wir mit dem Drehbuch von Eric Wald, das tatsächlich so erbärmlich ist wie es sich hier anhört – eine Gruppe Kleinkinder mit Playmobilfiguren hätte eine glaubhaftere Storyline hingekriegt. Die Regie erbarmt sich zwar alle zwei Minuten der gequälten Zuschauer und streicht jeglichen Dialog zugunsten einiger tragisch fehlgeleiteten Coverversionen von 80er-Jahre-Schnulzen, die jedoch erweisen sich auch nicht als besonders erholsam. Dann schlägt ab und zu der dilettantische Einsatz von Pathos zu, beispielsweise wenn Gwyneth Paltrow einen peinlichen Südstaatenwatschelgang in einen peinlichen Stöckelschuhwatschelgang verwandelt und dann meint, diesen Fortschritt mit epischer Musik und ihren Freundinnen im Bikini feiern zu müssen. Und um dieses Feuerwerk für die Freunde der unfreiwilligen Komik abzurunden, werden noch einige beleidigende Schwulenwitze verbreitet, ein steinzeitliches Frauenbild geprägt und einige eher erschreckende Scherze über Flugzeugabstürze zum besten gegeben – in einem Film, der passenderweise am 11. September anläuft.

Wie Bruno Barretto, der einst sinnlich-stilvolle Krimidramen wie Heart of Justice drehte, sich an diesem Mist vergreifen konnte und wie er dann auch noch alles dabei falsch machen konnte, das bleibt unklar. Sicher ist, daß hier Zeit, Geld und Talent verschwendet wird, vom eigentlich begabten Mark Ruffalo bis hin zu Gwyneth Paltrow, die mit diesem Film ihren stillen Abstieg in die Niveau- und Bedeutungslosigkeit abgeschlossen haben dürfte. Verdammt, sogar Christina Applegate ist unterfordert! 1970-01-01 01:00
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