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Flashback – Mörderische Ferien

D 1999. R: Michael Karen. B: Natalie Scharf, Jimmy Sangster. K: Peter-Joachim Krause. S: Behruz Torbati. M: Siggi Müller. P: Tele-München/Clasart. D: Valerie Niehaus, Xaver Hutter, Alexandra Neldel, Simone Hanselmann, Elke Sommer, Katja Woywood u.a.
95 Min. Concorde ab 6.4.00

Deutscher Splatter

Von Oliver Baumgarten Nachdem ihre Eltern von einem irren Sichelmörder brutal ermordet wurden, verläßt Jeanette nach jahrelanger psychiatrischer Behandlung zum ersten Mal die Klinik, um einen Job als Privatlehrerin anzunehmen. Doch kaum im einsamen Anwesen bei ihren Schülern eingetroffen, vernimmt sie erste Anzeichen des Schlitzers, der zurückommt, um zu vollenden, was er vor Jahren versäumt hat.

Rund vier Jahre, nachdem der Teenie-Slasher durch Wes Cravens Scream seine unglaublich populäre Wiederbelebung erlangte, entdeckt nun auch der deutsche Film dieses Schreck-, Schlitz- und Blutgenre. Nun freue ich mich ja erst einmal über jeden deutschen Genrefilm, einer ehemals hierzulande raren Gattung, der in letzter Zeit formal und technisch einige überzeugende Arbeiten gelang.

So legte Matthias Glasner mit Fandango ein visuell staunenmachendes Glanzstück vor, das zahllose technische Spielereien in ein stimmiges Konzept einzufügen versteht. Ein amüsanter Spaßfilm der etwas rüderen Art gelang Thomas Roth mit Kaliber Deluxe, der fein konzipierte Typen in für deutsche Verhältnisse äußerst derbe und explizite Gewaltsituationen steckte und damit Flashback noch am nahesten kommt. Jener nämlich präsentiert in der Tat krasse Bilder, Blut fließt reichlich, der Bodycount umfaßt so ziemlich alle Handlungsfiguren, und selbst die Haustiere müssen ohne Ausnahme der Zweckentfremdung diverser Haushaltsgeräte zum Opfer fallen – zum Teil harter Tobak. Mut und eine gewisse Konsequenz scheint sich auf der Bildebene im deutschen Populärfilm zur Zeit vor allem durch reichlich Rohheit auszudrücken, was – wie jeder Tabubruch – weniger besorgen als vielmehr Hoffnung geben sollte.

Die Kameraarbeit von Peter-Joachim Krause, der, bevor er Sonnenallee fotographierte, bei drei Emmerich-US-Produktionen als Operator fungierte, überzeugt in ihrer überlegten Dynamik, Behruz Torbatis Schnitt bedient klaglos die Genreanforderungen, ebenso die (manchesmal zu) üppig orchestrierte Musik, und das Sounddesign von Nigel Holland wirkt zum Teil markerschütternd, speziell das häufige »Schrink«, sobald die Sichel durch einen Körper fährt. Alles wunderbar. Bar aller Wunder und damit als eigentliches Problem zeigt sich hingegen, wie bei vielen der letzten deutschen Genrefilme, das Drehbuch, das mit wenig spannenden Dialogen aufwartet und einen wirklich zähen, wenn nicht langweiligen Mittelteil bietet. Dabei haben die Produzenten gerade diese Klippe locker umschiffen wollen, in dem sie sich die Vorlage zum Drehbuch von »Hammer«-Begründer und Horroraltmeister Jimmy Sangster abholten. Gut gedacht – schlecht gemacht.

Da ich es aber wichtig finde, daß dieser deutsche Slasher gesehen wird, da er sich vor dem erfolgreichen, aber schlechten Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast nicht zu verstecken braucht, liefere ich nun das eigentliche Argument: Valerie Niehaus. Schon der Kameramann muß sich ganz offensichtlich in sie verliebt haben und mühte sich nach Kräften, ihre Anmut in umschmeichelndes Licht zu betten, keine ihrer Bewegungen der Objektivaufmerksamkeit entgehen zu lassen und jedes Bild liebevoll um das Zentrum ihrer blauen Augen zu komponieren. In dieser ersten Kinohauptrolle zeigt Valerie Niehaus, wie effektiv sie mit der Kamera korrespondiert, kommuniziert und daß sie durchaus in der Lage ist, ein Ensemble zu führen, gar zu beherrschen. Den Wechsel in ihrer Figur, der wahrscheinlich gar nicht verraten werden darf, den vollzieht sie mühelos und (sei die zugrundeliegende Idee noch so lächerlich) erschreckend glaubhaft. Daß TV-Regisseur Michael Karen mit dem Dirigieren der Einzelkomponenten manchesmal überfordert schien, gerät angesichts dieser Augenweide schon mal leichter in Vergessenheit. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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