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Fisch & Chips

The Van. GB 1996. R: Stephen Frears. B: Roddy Doyle. K: Oliver Stapleton. S: Mick Audsley. M: Eric Clapton, Richard Hartley. D: Colm Meaney, Donal O'Kelly, Ger Ryan, Caroline Rothwell, Neili Conroy, Ruaidhri Conroy, Brendan O'Carroll u.a.
105 Min. Concorde – Castle Rock / Turner ab 3.10.96
Von Daniel Hermsdorf Spätestens, wenn der Staat sich von ihm abwendet, widmet ein Ire sich häufig dem Stout. So jedenfalls Bimbo (Donal O'Kelly), der das Brotbacken aufgeben muß und am Tresen seinem Kumpel Larry (Colm Meaney) begegnet, der, recht zufrieden, ebenfalls joblos ist. Man prostet auf den Schicksalsschlag und vertreibt sich die Zeit vorübergehend mit Golfspielen und Einkaufengehen. Bald darauf faßt Bimbo einen Entschluß gegen die Nutzlosigkeit und verfällt auf den Grundkonsens populärer Eßkultur: Fisch & Chips, verkauft in einer renovierten Rostlaube, einem zuvor schmutzstarrenden Bus. Singuläre Geschäftsbedingungen versprechen die Fußballweltmeisterschaft 1990 und ein Standplatz vor der Pinte, in der die Iren mit ihren Kickern fiebern.

Fisch & Chips ist ein kleiner Film der kleinen Leute, eine Skizze über Arbeit, Freundschaft und Prollkultur. Kein künstlerischer Entwurf ist hier gefragt, sondern treffende inszenatorische Details und authentisches Schauspiel. Colm Meaney (bereits Frears-notorisch durch seine Rolle in The Snapper, der nach Alan Parkers The Commitments und vor Fisch & Chips den zweiten Teil einer Romantrilogie des Drehbuchautors Roddy Doyle bildet) spielt den schlichten Larry mit bollerigem Charme und unverstelltem Optimismus, läßt ihn gegen den Erbfeind wettern (T-Shirt: »Britbusters«) und das entscheidende Tor eines italienischen Fußballers bei der WM zum Anlaß von liebenswert harmlosem Nationalismus nehmen (T-Shirt: »Fuck Schillaci«).

Fisch & Chips macht mit seiner einfachen Fabel die Crux der Arbeitswelt und den unpathetischen Lebensmut der Erfolglosen greifbar. Ein beschwingter Originalsoundtrack von Eric Clapton, schreibt der Baukastenjournalist, rundet den wohligen Eindruck des Streifens ab. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

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