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Firewall

USA 2006. R: Richard Loncraine. B: Joe Forte. K: Marco Pontecorvo. S: Jim Page. M: Alexandre Desplat. P: Beacon, Jon Shestak, Thunder Road. D: Harrison Ford, Paul Bettany, Virginia Madsen, Robert Forster, Alan Arkin.
105 Min. Warner ab 30.3.06

Vom Biedermann zum Brandstifter

Von Julian Tyrasa In seinem neuen Film spielt Harrison Ford abermals die Rolle, für die er sich in den letzten zwanzig Jahren immer stärker qualifiziert hat: Den sympathischen Durchschnittsmenschen, der unschuldig und zufällig à la Hitchcock in eine Verschwörung gerät; bei dem Versuch, (sein) Leben zu retten und seine Unschuld zu beweisen, wächst er über sich hinaus und wird zum klassischen Helden wider Willen (u.a. Frantic, The Fugitive, Presumed Innocent). In Firewall heißt er Jack Stanfield, arbeitet als Computer-Sicherheitsexperte für eine große Bank in Seattle und führt ein harmonisches Familienleben. Bis der intelligente Verbecher Bill Cox mit drei Komplizen das Haus der Stanfields besetzt und von Jack verlangt, ihm beim »virtuellen« Diebstahl per Überweisung von 100 Millionen Dollar zu helfen – anderenfalls werde er dessen Familie umbringen.

Zu den suggestiven Klängen von Massive Attack`s »Angel« werden während der Vorspanntitel die Recherchen für diesen Coup gezeigt: Unscharf-pixelige Videobilder, auf Scope-Format aufgeblasen, zeigen die Familie in der Freizeit und Jack auf dem Weg zur Arbeit. Bild und Ton wirken hier so kongenial zusammen, dass sich in kürzester Zeit eine Atmosphäre der Bedrohung aufbaut, die den gesamten Film über anhalten wird. Die ersten, für das Genre obligatorischen Heile-Welt-Szenen zeigen dann Harrison Ford als Familienvater, der ähnlich mit seinem Alter kokettiert wie Sean Connery in seinen Post-Bond-Actionrollen: Die fast schon aufreizende Langsamkeit seiner Bewegungen erzeugt zusammen mit dem natürlichen Spiel von Sideways-Star Virginia Madsen und den beiden Kinderdarstellern eine familiäre und private Stimmung, die wesentlich lebendiger wirkt als in vergleichbaren Hollywood-Filmen. Überhaupt scheint Firewall die ersten zwei Drittel seiner Laufzeit lang den Beweis antreten zu wollen, daß sorgfältige Schauspielführung gerade auch den Wert eines Thrillers ausmacht. Die auf den ersten Blick überraschende Entscheidung, den britischen Regisseur Richard Loncraine mit der Inszenierung dieses Suspense- und Actionstoffes zu betreuen, erweist sich denn auch als größter Trumpf des Films: Harrison Ford spielt Überforderung und Panik noch beklemmender als sonst, Paul Bettany verleiht dem Oberschurken beängstigend ambivalente Züge, und selbst die Nebenfiguren wirken durch viele scheinbar überflüssige Gesten und Momente wie wirkliche Menschen inmitten des kühlen Set-Designs – kurz: Firewall ist ein durchweg spannender High-Tech-Thriller. 1970-01-01 01:00
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