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Fight Club

USA 1999. R: David Fincher. B: Jim Uhls. K: Jeff Cronenweth. S: Jim Haygood. M: The Dust Brothers. P: 20th Century Fox. D: Brad Pitt, Edward Norton, Helena Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto u.a.
139 Min. Fox ab 11.11.99

Düstere Prügelei

Von Frank Brenner Was ist bloß aus der Generation X geworden? Vor ein paar Jahren noch zeigten uns Filme wie Singles und Reality Bites, daß sich die jüngeren Erwachsenen der 90er Jahre bevorzugt in Selbstmitleid über ihre nicht gerade rosigen Zukunftsaussichten ergehen oder munter Partnerwechsel zelebrieren. Edward Norton, der Protagonist in David Finchers neuem Film, steht schon mit beiden Beinen im Berufsleben, leidet aber unter Schlafstörungen. Diese lernt er zu therapieren, indem er sich Selbsthilfegruppen für Hodenkrebs- und Tuberkulosepatienten anschließt und sich dort kräftig ausheult, dazu muß man schließlich nicht unter besagten Krankheiten leiden.

In der nächsten Stufe zur Überwindung der Unlust am festgefahrenen Lebensstil entdeckt er zusammen mit seiner »portionierten Flugbekanntschaft« Brad Pitt (für's Flugzeug ist ja alles in kleinen Portionen für den einmaligen Gebrauch geschaffen) den Spaß am eigenen Schmerz. Die beiden gründen einen geheimen Fight Club im Keller einer Schmuddelkneipe. Schon bald fröhnen dort die Stützen der Gesellschaft, die den oberen Zehntausend das Leben angenehm machen, ihrem Hang zur sadomasochistischen Prügelei.

Die Dimensionen, die dieser Film im folgenden noch annimmt, ordnen sich keinen Konventionen unter und sind kaum vorhersehbar. Sogar Helena Bonham Carter, das sanfte Mauerblümchen aus anspruchsvollen Literaturverfilmungen, ist vollkommen gegen ihren Typ besetzt – und weiß zu überzeugen. David Fincher bleibt seinem Hang zum Düsteren treu, den wir aus Alien 3 und Seven kennen. Er erzählt wieder einmal eine Geschichte, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Schon die Gestaltung des Vorspanns bestimmt das rasante Tempo und die ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, die den Film dann insgesamt dominieren.

Untypisch für Fincher ist indes die Sprache, die sich eines sehr sarkastischen Tonfalls bedient und mit ihrem tiefschwarzen Humor an die Monty Pythons erinnert. Die erste Hälfte von Fight Club kann man kaum ernstnehmen. Mit bitterbösen Pointen wird am Leben der Yuppies der 90er kein gutes Haar gelassen. So rauben die Protagonisten zum Beispiel das abgesaugte Fett einer Schönheitsklinik, um daraus wieder Seifen für reiche Damen und Dynamit herzustellen. Rückrufaktionen großer Automobilhersteller werden ebenso wenig verschont wie eine besonders peinliche des Disneykonzerns. Was vor Jahren dem familienfreundlichen Unternehmen böse Schlagzeilen einbrachte, ermöglicht hier einen kurzen Blick auf Brad Pitts vermeintliches Geschlechtsteil.

Fight Club ist ein krasser Film. Nicht nur, daß er einen Tenor anschlägt, der im Hollywoodfilm vor den Farrelly-Brüdern undenkbar gewesen wäre. Auch seine Direktheit in der Darstellung von Gewalt ist gewöhnungsbedürftig und bewegt sich oftmals an der Grenze zum Brechreiz. Was am meisten irritiert ist allerdings der Wechsel in der Stimmung des Films, der schleichend einsetzt und spätestens zur Halbzeit vollzogen ist. Die menschenverachtenden, fast schon faschistischen Tendenzen wirken in Ermangelung der anfänglichen Selbstironie umso beunruhigender.

Fincher hat aber auch dann noch seine Zuschauer in festem Griff, obwohl sich die Handlung den Gesetzen der Logik längst entsagt hat. Was zu Beginn noch zum Unterhaltungswert beigetragen hatte, verwirrt zunehmend. Trotzdem fieberte ich dem Ende entgegen, das wieder so manche Überraschung mitsichbringt. Und nach den Credits war ich mir nicht sicher, ob mir der Film nun gefallen hat, oder nicht. Das passierte mir zuletzt bei _Natural Born Killers_… 1970-01-01 01:00
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