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Fiasko

IS/D/DK 2000. R,B: Ragnar Bragason. K: Ágúst Jakobsson. S: Sigvaldi J. Kárason. M: Bardi Jóhansson. P: Zik Zak Filmworks, Icelandic Film Corporation u.a. D: Silja Hauksdóttir, Margrét Ákadóttir, Róbert Arnfinsson, Björn Jörundur Fridbjörnsson u.a.
92 Min. atlas intermedia ab 20.11.03

Gemeinsam einsam

Von Daniel Albers Was in 24 Stunden so alles passieren kann, wird uns ja im TV momentan eindringlich vorgeführt. Bei Bragason erstrecken sich die Verwicklungen jedoch so wenig auf Staatsaffären nie gekannten Ausmaßes wie sie von einer gesellschaftsweiten Terrorismushysterie gespeist sind, sondern bleiben schlicht im privaten Rahmen. Fiasko versucht sich an einem Tag im Leben der isländischen Familie Bardal. Es treten auf: der rastlose Großvater Karl, der beinahe zum Bankräuber wird, seine naive Tochter Steingerdur, die beinahe beim Entsorgen einer Leiche behilflich ist, und schließlich deren verlogene Tochter Júlía, die beinahe schwanger gewesen wäre, ohne sich über die Urheberschaft sicher zu sein. Alle drei sind auf der verzweifelten Suche nach Liebe und finden sie doch nicht. Ihre Geschichten werden jedoch von Bragason locker miteinander verknüpft und dies stets augenzwinkernd und mit einem leidlich guten Gefühl für Situationskomik. Wenn Samúel, von Steingerdur angebeteter Sensationsprediger, sich im quietschroten Teufelskostüm der käuflichen Liebe hingibt, nachdem er noch kurz zuvor seine Gemeinde durch inbrünstiges Gotteslob in quasi-religiöse Trance versetzt hat, entbehrt dies nicht einer gewissen subversiven, nicht zuletzt bildlichen Kraft.

Obwohl jedoch die Figuren in Fiasko an verrückter Skurrilität kaum zu überbieten sind, bleibt am Ende die Gewißheit, daß es im Genre Episodenfilm – unter anderem mit P.T. Andersons Magnolia – schon weitaus eindrucksvoller gelungen ist, die dem modernen Individuum eigene Einsamkeit filmisch darzustellen. Der Bonus einer unabhängigen Filmproduktion und ein paar kuriose Einfälle machen aus einem Durchschnittsfilm eben noch lange kein Meisterwerk. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #32.
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